| Der vergangene dritte Sommermonat 2002 wird allen noch lange in
Erinnerung bleiben. Selten hat ein einzelner Monat so viele Niederschlagsextreme
mit solch verheerenden Folgen für Mitteleuropa gebracht.
Diesmal war auch Zenting-Daxstein betroffen, aber zum Glück nur durch außergewöhnliche Wetterereignisse ohne Schäden für Mensch und Umwelt. Völlig normal gab es 15 Niederschlagstage, aber diese Tage hatten es in sich: von den 7 Tagen mit mehr als 10,0 mm fielen viermal mehr als 40 mm (siehe die beigefügte Grafik der täglichen Regenmengen von Daxstein im Vergleich mit dem August 1925). Am 11. und 12. waren es insgesamt 121,1 mm. Noch weitaus mehr erhielt Waldhäuser, das allein am 12. 130 mm gemessen hatte – ein Tageswert, der dort noch nie vorher vorgekommen ist (die Beobachtungen setzen an diesem Ort 1893 ein). In Daxstein begann der Dauerregen am 11. August um 12.50 Uhr und endete am 13. August am frühen Morgen. Die erste, weniger starke Dauerregen-Episode dauerte vom 6. August 16.40 Uhr bis 8. August 11.30 Uhr (insgesamt 91,4 mm). Die gesamte Monatssumme belief sich auf 315,2 mm, und der August 2002 wurde damit zum nassesten der ganzen Reihe, die 1876 beginnt, der alte Rekordwert datiert aus dem Jahr 1925 (277 mm). Der Sommer 2002 war wie seine Vorgänger zu warm (Mitteltemperatur 16,5?C und damit 1,7 K wärmer als nach dem Mittel 1961 – 1990 zu erwarten; das heißt wärmster Sommer seit 1994) und dabei deutlich zu nass (577,7 mm entsprechen 149 % des langjährigen Mittels oder 189 mm zu viel). Sieben Sommer seit 1876 waren noch niederschlagsreicher als heuer, zuletzt 1980 mit 579 mm, den nassesten hatte Daxstein 1926 mit 806 mm! Sehr oft kam es zu Gewittern: 28 solcher Tage wurden zuletzt 1974 erreicht, das absolute Maximum hat 1955 mit 34 Tagen inne. Im Vergleich zu Daxstein waren die Niederschlagsereignisse im heurigen August in anderen Gegenden Mitteleuropas ungleich heftiger. Ich möchte zuerst mit außergewöhnlichen Tagesmengen beginnen, die an nicht weniger als 19 Tagen irgendwo in Deutschland auftraten: 1.8. Lichtenhain-Mittelndorf 78,8 mm
Nur wenige der aufgeführten Orte verfügen über lange Niederschlagsreihen. Sicher aber ist, dass in deutschen Grenzen von 2002 niemals vor dem 12.8. 2002 eine größere Regenmenge als die 312,0 mm von Zinnwald vorgekommen ist (zumindest im Zeitraum seit 1901). Ebenso sind die Tagesmengen von Dresden-Klotzsche, Fichtelberg, Chemnitz (jeweils 12.8.) sowie die vom Brocken (11.8.) und von Bremerhaven (8.8.) die allerhöchsten je dort im August gemessenen Werte. Über sächsische Großregen-Ereignisse der Vergangenheit habe ich einen eigenen Artikel geschrieben. Auch in den österreichischen Bundesländern Ober-, Niederösterreich und Salzburg sind enorme Tagesmengen gemessen worden, etwa in Freistadt/OÖ am 7.8. 172 mm, 104 mm in Stift Zwettl/NÖ am gleichen Tag oder 131 mm in Lunz am See am 12.8. Bei den größten Monatsmengen des Niederschlags möchte ich die am meisten betroffenen Gebiete von Deutschland und Österreich gemeinsam betrachten. Mehr als 400 mm sind örtlich im Erzgebirge, im Bayerischen Wald, außerdem im Wald- und Mühlviertel sowie im Salzkammergut vorgekommen: Zinnwald-Georgenfeld 470 mm
Längere Beobachtungen gibt es nur vom Feuerkogel, der seit 1930 keinen höheren Augustwert als 2002 aufzuweisen hat. Betrachtet man die langjährigen Stationen, so fallen flächenmäßige Rekordwerte vor allem in Oberösterreich, im Gebiet des Bayerischen Waldes sowie in den östlichen Teilen Sachsens und oft im Erzgebirge auf: Ort August 2002 alter Rekord Beobachtungen seit Linz-Hörsching 364 268/1890 1851
An einigen Orten hält der August 2002 bezüglich des Niederschlags die zweite oder dritte Position, z.B. Wien/H.W. nach 1938 den zweiten Platz, Berlin-Dahlem ebenfalls Nummer 2 nach 1948 oder in Chemnitz nach 1994 und 1983 den dritten Platz. In Kremsmünster gibt es – mit Abstand – keinen einzigen Monat mit einer höheren Regenmenge als den August 2002. Die verheerenden Überschwemmungen werden dadurch verständlich. Außerdem liegen aus der tschechischen Republik keine Daten vor, aber auch hier muss es sich um ein außergewöhnliches Niederschlags-Ereignis gehandelt haben. Um die Ausnahme-Erscheinung des diesjährigen August zu verdeutlichen, habe ich wieder Niederschlagsdiagramme angefertigt, und zwar von Kremsmünster, Dresden, Fichtelberg, Passau und Kempten. In Ober- und Niederösterreich schließlich wurde gebietsweise sogar der nasseste Sommer überhaupt verzeichnet, z.B. in Freistadt/OÖ mit 626 mm (normal 275 mm!), die alte Rekordmarke stammt aus dem Sommer 1910 (501 mm)!
|
Letzte Aktualisierung 29.09.2002
Durch Wolfgang Webersinke