| Zenting-Daxstein gehört mit seiner positiven Mitteltemperatur-Abweichung
von + 3,4 K zur Spitzengruppe in Deutschland, da in höheren gelegenen
Gebieten Süd- und Ostbayerns die häufigen Föhnlagen besonders
deutlich und lange zu spüren waren. Die erste Dekade brachte aber
zunächst einen Vorgeschmack auf den Winter. Alle sechs Frosttage des
Monats ereigneten sich vom 5. – 10.11. (darunter am 6. und 7. auch die
ersten beiden Eistage der beginnenden Wintersaison), danach gab es bis
zum 7.12. keinen Luftfrost mehr und selbst Bodenfrost war nach dem 11.11.
kein Thema mehr. Dafür stieg die Temperatur am 16.11. in der Föhnluft
(und bei deutlicher Lufttrübung durch Saharastaub) bis 17,5°C,
ein Wert wie er in den vergangenen 20 Jahren im November hier noch nicht
erreicht wurde (Tagesmittel 14,2°C!). Die zweite Föhnlage vom
24./25. November war dann nicht mehr so stark ausgeprägt (immerhin
12,7°C am 25.). Mit der Mitteltemperatur von 5,2°C reichte es zum
viertwärmsten November der letzten 112 Jahre nach 1926 (5,9°),
1994 (5,7°) und 1963 (5,7°).
Den jahreszeitgemäßen 15 Nebeltagen standen immerhin 8 Tage
mit zum Teil herrlich klarer Alpensicht gegenüber (das bedeutet Sichtweiten
über 100 km; allerdings überhaupt nicht am 16. – siehe
oben der Saharastaub).
Der Herbst war in Daxstein nur leicht übertemperiert (7,6°C
= + 0,4 K), dafür deutlich zu nass: 458,8 mm sind 162 mm zu viel oder
154 % des Mittels 1961 – 1990.
Deutschlandweit verlief der heurige November so mild wie seit 1994 nicht
mehr, z.B. in München, dort war er vor acht Jahren aber auch gleich
ein ganzes Grad wärmer. In Klagenfurt muss man allerdings bis 1926
zurück gehen, um ein höheres Temperaturmittel zu finden (2002
7,0°C, 1926 7,3°C); somit ist hier 2002 der zweit-wärmste
November seit 1813 (Beobachtungsbeginn in Klagenfurt) registriert
worden!
Während der extremen Föhnlage vom 15./16. November gab es
an einigen Orten im österreichischen Alpenraum Rekordtemperaturen
für November mit den höchsten je gemessenen Maxima:
-
Salzburg-Maxglan 24,1°C am 16.
-
Graz-Thalerhof 22,8 am 15.
-
Klagenfurt 21,5 am 16.
-
Kremsmünster 23,4 am 16.
Die am 16.11. in Waidhofen an der Ybbs und in Bad Goisern registrierten
25,6°C sind für Mitte November ganz einzigartig. Bislang spätestes
Datum für einen Sommertag im November war der 7.11.1997 (Lofer und
Bad Ischl je 25,4°C). Weitere Sommertage im November gab es am 5.11.
1994 (Bregenz, Hittisau, Dornbirn und Feldkirch) sowie am 2.11. 1968: Unken,
Enns, Mitterkirchen, Mondsee und sogar 26,6°C in Schlins bei Feldkirch
in Vorarlberg. Damit ist die Behauptung in der 111. Beilage der Berliner
Wetterkarte, dass heuer die bisher höchsten Novembertemperaturen in
Österreich vorgekommen sind, nicht richtig.
Auch in den vergangenen Jahrzehnten hat es im November große Föhnlagen
gegeben, einige seien aufgeführt:
-
Der sogenannte „Jahrhundertföhn vom 7./8.11. 1982 (Patscherkofel Spitzenbö
176 km/h, auf dem Gütsch sogar 194 km/h). Hierzu bringe ich die Wetterkarte
vom 8.11. 1Uhr MEZ.
-
Genau zwanzig Jahre vorher wehte es auch sehr stark: Altdorf in der Schweiz
22°C und 140 km/h.
-
Vom 19. – 21.11. 1926 führten Föhnstürme zu großen
Verwüstungen, insbesondere rund um den Kochelsee. Am 21. z.B. meldete
um 7 Uhr früh Salzburg eine Temperatur von 20,4°C (Maximum 23,3°C).
Beim heurigen Föhn vom 14. bis 16.11. gab es die heftigsten Böen
auf dem Sonnblick mit 217 km/h und die Schäden im Werdenfelser Land
und im Chiemgau sowie im österreichischen Lungau (am 15.) und im Salzkammergut
(am 16.) waren sehr beträchtlich (allein in Österreich 3 Millionen
Festmeter Holz).
Ebenso bestimmend wie der Föhn waren 2002 die vielfach starken
Niederschläge, die sich auch in besonders großen 24stündigen
Summen zeigten:
2.11. Krunkelbachhütte/MM 73,5 mm
Gersbach/MM 73,2
Alberschwende/Vorarlberg 70
10.11. Todtnau-Aftersteg 51,1
14.11. Genf-Cointrin 93
15.11. Brenner 73
18.11. Lienz/Osttirol 87
23.11. Lons-le –Saunier/F 91
29.11. Weimar 39,5
Erfurt-Bindersleben 33,6
Für Genf bedeutet dies die höchste 24stündige Novembermenge
seit Beobachtungsbeginn 1864 und die zweitgrößte Tagesmenge
überhaupt seit dem 2.10. 1888 (damals 124 mm). In Erfurt war es die
größte November-Tagesmenge seit mindestens 1901, aber auch Weimar
hat in den letzten 50 Jahren nur geringfügig mehr zu bieten: 40,4
mm am 18.11. 1971.
Diese Mengen sind aber nur Kleinigkeiten, wenn man sie mit den
Niederschlägen in der Süd- und Zentralschweiz vergleicht:
15.11. Locarno-Monti 132 mm
14.11. San Bernardino 136
Das waren aber nur die Höchstmengen, vor allem vom 14. bis 16.11.
gab es drei Tage hintereinander geradezu sintflutartige Niederschläge:
14. 15. 16.
Hinterrhein 177 172 129 mm
Camedo 203 205 203 mm
Eine solche Folge ist für die vergangenen 140 Jahre in der Schweiz
einmalig.
Dass bei solchen Südstaulagen exzessive Monats-Niederschlagsmengen
zustande kamen, nimmt nicht wunder. Vom Gebiet um Grenoble über den
gesamten Alpenhauptkamm und südlich davon bis etwa auf Höhe der
Karnischen Alpen sowie vom Oberrheingraben nach Nordosten über die
Schwäbische und Fränkische Alb bis hinüber zum Erzgebirge
und nördlich anschließend bis zur Goldenen Aue und bis nach
Leipzig wurden vielerorts die höchsten November-Summen seit mindestens
1901 verzeichnet. Die folgende Liste bringt eine Auswahl:
November
2002 alter Rekord
Reihe seit
Camedo
1398 mm
Mosogno
1282
Hinterrhein
886
Locarno-Monti
790 577 (1951)
1878
San Bernardino
747
Stabio
716
Kötschach-Mauthen/Kärnt. 708
Lugano
536 530 (1926)
1864
Reisach/Gailtal
536 525 (1993)
Lienz/Osttirol
330
Sonnblick
321
1890
Ambérieu
310,8 232 (1950)
Chur
293
1901
Grenoble-St Geoirs
289
Freiburg i. Br.
193,6 [254] (1882)
1869
Fichtelberg
185,1 171 (1947)
1890
Weißenburg i. Bayern
129 115
(1950) 1879
Gera-Leumnitz
124
104 (1977) 1901
Regensburg
113,8 107 (1831)
1781 m.U.
Erfurt
105,2 120 (1824)
1818 m.U.
Leipzig-Schkeuditz
101,6 82 (1905)
1898
Artern
100 76
(1919) 1901
Von den Stationen Erfurt, Freiburg und Locarno-Monti bringe ich die
Niederschlags-Grafik aller November-Monate seit Beobachtungsbeginn. In
Freiburg sind die alten Niederschlagsmessungen bis etwa 1890 sehr wenig
zuverlässig, die Regenmengen scheinen systematisch viel zu hoch (viele
Jahresmengen von 1300 bis über 1600 mm!), so dass der maximale Wert
von 1882 kaum stimmen wird. In Locarno hat überhaupt nur ein einziger
Monat noch mehr Niederschlag gebracht als der November 2002, und zwar der
Oktober 1889 (852 mm).
Mehrere Orte hatten nur einen November mit mehr Niederschlag als 2002,
z.B.
2002 absoluter Rekord
Genève-Cointrin 295 mm
330 mm(1950)
Chemnitz
133
136 (1922)
Nürnberg
125,1 126 (1950)
Dresden-Klotzsche 120
126 (1947)
Magdeburg
88,9
92 (1944)
Der Überblick wäre nicht vollständig, wenn man nicht
wenigstens kurz auf andere besondere Wetterereignisse früherer Novembermonate
einginge:
1. Die große Südföhnlage vom 6. – 8.11.1982. Eine charakteristische
Wetterkarte jener Tage ist diesem Artikel beigefügt.
2. Der Niedersachsen-Orkan vom 13.11.1972. Von diesem Tag wird die
Wetterkarte des Wetteramtes München gezeigt. 1972 war das letzte Jahr,
als noch im Wetteramt Wetterkarten von Hand gezeichnet und anschließend
verschickt wurden. Außerdem sieht man die Windstärken-Karten
jenes Tages aus dem Bericht Nr. 135 des Deutschen Wetterdienstes („Zwei
Wetterkatastrophen des Jahres 1972: Der Niedersachsen-Orkan und das Gewitter-Unwetter
von Stuttgart“), S. 38.
3. Interessanterweise verlief der November vor 100 Jahren völlig
gegensätzlich: er wurde gebietsweise der trockenste überhaupt.
In Thüringen, Sachsen und Brandenburg sowie stellenweise in Süd-
und Ostbayern und punktuell in Norddeutschland wurde er in Sachen Trockenheit
bis heute nicht übertroffen:
-
Zehdenick 0 mm
-
Wittenberg 1
-
Berlin 1
-
Frankfurt a. d. Oder 2
-
Erfurt 2
-
Hof 2
-
Niederoderwitz 2,5
-
Potsdam 3,2
-
Hannover 3
-
Görlitz 3
-
Diepholz 3
-
Hamburg 3,4
-
Schkeuditz 4
-
Köthen 4
-
Dresden 4
-
Zugspitze 4
-
Bad Reichenhall 4
-
Passau 4,4
-
Landshut 4,6
-
Cottbus 5
-
Jena 5
Im Westen und Südwesten Deutschlands war allerdings von der Trockenheit
nicht mehr viel zu spüren (Lingen 24, Trier 25, Aachen 28 und Freudenstadt
35 mm).
Wolfgang Webersinke, Daxstein, 14.12.2002
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