| Hauptkennzeichen dieses interessanten ersten Wintermonats 2002/03
war die quer durch Deutschland verlaufende Trennlinie zwischen trocken-kaltem
Hochwinter in der nordöstlichen Hälfte und eher trübem und
nasserer Witterung in der Südwesthälfte.
Zenting-Daxstein lag auf der milden Seite bei einer ausnehmenden Schneearmut. Eine Neuschneemenge von gerade einmal 10 cm kommt nicht oft vor und grüne Weihnachten wie heuer gibt es nur einmal in zehn Jahren in Daxstein (zuletzt 1997). Wintersport jedenfalls war 2002 im November und Dezember hier nicht möglich. An fünf Tagen waren die Alpen sichtbar und zu Nebel kam es an 21 Tagen. Im größeren Zusammenhang traten doch wieder einige bemerkenswerte Wetterphänomene auf, die zuerst nach Tagesereignissen geordnet werden sollen. Im Nordosten gab es einige sehr kalte Nächte:
Im Gegensatz dazu kam es in Skandinavien und in Russland zu extremen Kältegraden (z.B. am 29.12. – 44,7°C in Krasnoufimsk). Moskau hatte im Dezember 31 Eistage und in St. Petersburg stieg die Temperatur nur an drei Tagen etwas über den Gefrierpunkt. Einige größere 24stündige Niederschlagsmengen gab es
in Bayern:
Am Bodensee war der gesamte Dezember so mild, dass in Bregenz nur ein halbes Grad bis zum absoluten Wärmerekord der Mitteltemperatur fehlte (2002: 4,3?C; 1880: 4,8?C). Die angesprochene Luftmassengrenze hatte auch Auswirkungen auf die Niederschlagsmenge: in Angermünde kamen wie 1903 und 1946 nur 7 mm zusammen, das ist die zweitgeringste Menge nach 1932 (2 mm; ab 1899). Neubrandenburg brachte es nur auf 5 mm, ebenso viel wie 1930. Auch hier war nur 1932 noch trockener (3 mm; ab 1899). Ganz anders in Graz in der Steiermark: 112 mm (338 %) bedeuten den vierten Platz in der Hitliste der nassesten Dezember-Monate nach 1950 (119 mm), 1903 (128 mm) und 1869 (140 mm; Reihe ab 1864). Nördlich der Alpen bestand fast überall ein deutliches Sonnenscheindefizit, besonders markant in der Schweiz. Zürichs 15 Stunden wurden erst 1969 unterboten und in Bern-Liebefeld reichte es gar zum sonnenärmsten Dezember der gesamten Messreihe, die 1886 einsetzt. Diese Grafik ist wieder von mir erstellt worden. Das bisherige Minimum waren 10,9 Stunden 1890 (und 11,1 Std. 1896). Aber auch Lyon-Bron meldete mit 17 Stunden die geringste Sonnenscheindauer seit Stationseröffnung 1921. Am Ende meines Rückblicks muss ich leider wieder einmal auf die
Unzuverlässigkeit des Witterungsreports des DWD hinweisen, auf dem
meine deutschen Daten (notgedrungen) basieren. Immer häufiger werden
Monatswerte berechnet, obwohl einzelne Tage (der schon oft beklagten unzureichenden
automatischen Stationen ohne menschliche Betreuung) fehlen oder aus irgendwelchen
anderen Gründen falsche Werte angegeben werden (z.B. im Dezember-Express
die 81,4 mm vom 22.12. auf dem Großen Arber). Im Jahr 2003 werden
überdies dann keine Angaben mehr zur Schneedecke oder zu den Gewittertagen
gemacht: eine über sechzigjährige Tradition in den amtlichen
Witterungsberichten wird damit vom DWD willentlich zunichte gemacht.
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Letzte Aktualisierung 13.01.2003
Durch Wolfgang Webersinke