| Wieder bin ich bei meinem monatlichen Rückblick gezwungen, auf
die Datenübersicht des Deutschen Wetterdienstes zu verzichten, weil
es Offenbach immer seltener fertig bringt, seinen so genannten „Witterungsreport
Express“ einigermaßen zeitgerecht auszuliefern. Während er
im ersten Jahr seines Erscheinens (1999) nie später als am 9. des
Folgemonats beim Kunden war, ist es in den letzten 12 Monaten bei sechs
Ausgaben zu großen Verspätungen gekommen, am schlimmsten bisher
bei der November-Ausgabe 2003, die erst am 17.12. vorlag – und auch der
Februar 2004 wird nicht vor dem 15.3. herauskommen. Dazu gesellen sich
noch wirklich dumme Fehler, die einem schon beim ersten Durchblättern
ins Auge fallen (z.B. eine angebliche Sonnenscheindauer von 8 Stunden in
Schleswig auf Seite 3 als Minimumrekord, während im Tabellenteil
19 Stunden vermerkt sind) oder die dilettantischen Abweichungsgrafiken,
die immer schöne Kreise um genau die Orte zeigen, wo gerade eine DWD-Station
verfügbar ist oder Datenlücken sichtbar werden, weil die automatischen
Stationen von dauernden Ausfällen geplagt sind. Angesichts der hohen
Preise des DWD (im Vergleich etwa zur Schweiz, Österreich oder Frankreich)
kann man das alles nur als Armutszeugnis für einen ehemals großen
Wetterdienst bezeichnen.
Jedenfalls war der vergangene Monat insgesamt landesweit zu mild, nach Süden zu zu sonnig und bis auf Norddeutschland meist zu trocken. In Zenting-Daxstein war es zwar in den ersten acht Tagen auch sehr mild, aber weit entfernt von jeglichen Rekorden. Die Schneedecke sackte zusammen (am 8. bis auf 47 cm), wurde dann aber wieder aufgefrischt und lag meist zwischen 70 und 90 cm. Die größten Neuschneemengen gab es am 9. (19 cm) und am 10.2. (22 cm). Interessant in der näheren Umgebung waren die nach Höhenlage sehr unterschiedlich hohen Schneedecken: während Daxstein und noch höhere Lagen tief verschneit waren, zeigten sich die Täler wesentlich weniger begünstigt: meist lagen dort nur 10 oder höchstens 20 cm Schnee. Zum winterlichen Gesamtcharakter des Monats passen auch die zwei Gewittertage (7. und 8., an letzterem Tag sogar zwei getrennt auftretende Gewitter!). Nebel trat an 9 Tagen auf und an 7 Tagen konnten von Daxstein aus die Alpen gesehen werden. Der Winter 2003/04 verlief insgesamt im Vorderen Bayerischen Wald etwas zu mild (Daxstein + 0,7 K), dabei zu nass (460 mm sind 25 % mehr als der Norm nach zu erwarten gewesen wäre) und recht schneereich (Neuschneesumme der drei Wintermonate 301 cm). Im Monatsverlauf fiel besonders die sehr warme erste Dekade aus dem Rahmen. Schon am 3.2. erreichte Köln-Niehl 18,0°C. Am 5.2. folgten Eisenstadt mit 21,3°C (dort höchster Februarwert überhaupt – und das gleich nach Monatsanfang!) und Wiener Neustadt mit 21,3°C. Tags darauf war dann Oberbayern mit Rekordwerten dran: München/Stadt kam mit 18,3°C auf den höchsten Wert in der ersten Februardekade seit Aufzeichnungsbeginn 1879 (allerdings gleichauf mit dem 7.2.2001). Außerhalb der Stadt gab es in Riem am 8.2.1990 18,1°C. Mühlacker in Baden-Württemberg meldete am 6.2.2004 sogar 20,4°C. Erstaunlich hoch waren auch die nächtlichen Minima: 3./4.2. Hannover 13,1°C
Stellenweise kletterten auch die Tagesmitteltemperaturen in dieser Zeitspanne höher als jemals zuvor: Berlin-Dahlem
Hohenpeißenberg
Der Wert vom 5.2. in Berlin bedeutet auch die höchste Tagesmitteltemperatur im Februar überhaupt (bislang 12,2°C am 14.2.1958), auf dem Hohenpeißenberg liegt das absolute Maximum aber deutlich höher: 14,6°C am 29.2.1960. Den Vogel schoss in Wien die Hohe Warte ab: der 5.2. brachte eine Mitteltemperatur von 15,7°C, die dort für einen 17. Mai normal gewesen wäre und beträchtlich über dem bisherigen Februar-Absolutwert vom 23.2.1903 lag. Vor der großen Erwärmung kam es in Teilen Österreichs am 2.2. zu erheblichen Niederschlägen:
Im Alpenbereich waren die Niederschlags-Monatssummen teilweise sehr unterschiedlich: während in der Staulage von Mariazell/Steiermark 176 mm zusammenkamen (279 % vom Normalwert), reichte es im Wallis nur zu 7 mm in Sion und Visp (je 12 % der Norm) bzw. 8 mm in Zermatt (18 % des Mittels). Deutsche Werte fehlen mangels Übersicht (siehe meine Ausführungen zu Beginn). Wolfgang Webersinke, Daxstein, 14.3.2004 |
Letzte Aktualisierung 14.03.2004
Durch Wolfgang Webersinke