| Der Februar 2006 wird allen im
Bayerischen Wald lebenden Menschen noch lange in Erinnerung bleiben als
ein Schneemonat von seltener Intensität: kaum je türmten sich
die Schneemassen in solchen Bergen. Von den Mengen her dürfte es sich
um ein Jahrhundertereignis gehandelt haben.
In Zenting-Daxstein war eine stattliche Schneedecke von 117 cm schon vom Januar ererbt worden. Am 7.2. nach Mitternacht begann dann der wirklich große Schneefall. In einem ersten Schub fielen bis zum 8.2. morgens gut 50 cm Neuschnee. Nach achtstündiger Niederschlagspause setzte um 14.10 Uhr MEZ der nächste Starkschneefall ein, der mit ganz kurzen Unterbrechungen bis zum 9.2. 17.45 Uhr dauerte und wieder knapp 50 cm Schnee lieferte. Um 19.00 Uhr ging es dann wieder los bis zum 10.2. gegen 21.00 Uhr (einstündige Pause von 16 bis 17 Uhr am 10.). Um diese Uhrzeit wurde auch die allergrößte Schneehöhe erreicht, und zwar 235 cm. Bei diesen, auch für unsere ansonsten schon schneereiche Gegend, ganz außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen kann nicht mehr garantiert werden, dass der Schnee auf den Zentimeter genau gemessen bzw. der Niederschlag aufs Zehntel genau bestimmt werden kann, zumal der Niederschlagsmesser ausgeschaufelt werden musste, da seine Kante (ohnehin mit 1,5 m über dem Erdboden auf Gebirgsniveau) deutlich tiefer als die eigentliche Schneedecke war. Außerdem fielen die letzten Niederschläge am 10.2. (ab 17.30 Uhr) bei starkem Nordwestwind, so dass auch mit Flugschnee zu rechnen ist. Am 15. und 16.2. gab es noch eine weitere Periode mit kräftigen Schneefällen, die aber zum Teil mit Regen durchsetzt waren, so dass sich kein so großer Neuschneezuwachs ergab. Auch gegen Monatsende schneite es wieder mehr, es kam aber nicht mehr zu besonderen Auswüchsen. Das Herausragende am heurigen Winter ist das Fehlen größerer Tauperioden (frostfrei waren seit Winter- und Schneedeckenbeginn am 17.11. nur der 5.12., der 17. sowie der 20. und 21.2.), das Ausbleiben von Regenfällen (reine Regentage sind bislang nicht vorgekommen, höchstens ab und zu Schneeregen) und sich mehrfach wiederholende sehr große Schneefallereignisse mit nachfolgendem Dauerfrost (der 1.3. ist der 66. Eistag des Winters 2005/06). Hier nun die Schneedeckengrafik von Daxstein im Januar und Februar 2006 zusammen mit dem täglichen mittleren Schneehöhen aus dem Zeitraum 1985 bis 2005:
Die winterliche Neuschneesumme beträgt am 28.2.2006 467 cm, noch mehr war es zu diesem Zeitpunkt nur 1999 (483 cm). Auch der damalige Februar hatte eine höhere Neuschneesumme als 2006 (231 gegen 186 cm), wobei aber im März und April nur mehr wenig Schnee nachkam. Nun stellt sich die Frage nach dem Vergleich mit früheren extremen Ereignissen. Der DWD hat in seiner Politik der Automatisierung und Schließung von Stationen hier sehr schlechte Karten: die Regenmess-Station Zwiesel-Rabenstein, von der ununterbrochene Schneehöhenmessungen seit 1884 (!) vorlagen, wurde am 31.12.2004 geschlossen und der Automat von Zwiesel fiel am 4.2. aus und blieb während der herausragenden Witterungsphase außer Betrieb. Die alte Klimastation von Waldhäuser wurde von der Nationalparkverwaltung ebenfalls automatisiert und meldet nicht mehr an den DWD. Glücklicherweise haben Vergleichsmessungen zwischen Daxstein und Waldhäuser gezeigt, dass die Schneehöhen
relativ wenige Unterschiede aufweisen, die absoluten Maxima sind in Waldhäuser
eher noch höher. Bislang gab es dort folgende Maximalschneehöhen:
Zwiesel-Rabenstein hatte überdies am 18.2.1892 200 cm Schneehöhe. Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich beim 11.2.2006 um den Tag mit der höchsten Schneehöhe in den mittleren Höhenlagen des Bayerischen Waldes seit mindestens 100 Jahren. An weiteren Stationen in unserer Gegend
wurden folgende Höchstschneehöhen gemeldet:
Fürstenzell (erst seit 1997) kann
nicht ohne Weiteres mit Passau verglichen werden (Beob. dort seit 1887),
da es 150 m höher liegt als die Domstadt. Im unteren Donautal stammen
die Schneehöhenrekorde aus dem Februar 1942 (17.2.):
Jedenfalls gab es noch nie im unteren
Bayerwald an mehreren Tagen zusammen solche Neuschneemengen wie heuer:
Abschließend ist noch zu vermelden, dass es 8 Nebeltage und 4 Tage mit Alpensicht gab. Auch in Österreich gab es reichlich Neuschnee (12.2. Litschau 90 cm, Lunz 188 cm Gesamtschnee, jeweils Rekord für Februar), aber insgesamt ist im Februar dort 1999 mehr Neuschnee gefallen (2006/ Neuschneesummen im Februar: Litschau 75, Lofer 112, Lunz 143 cm). Am 19.2. wehte nördlich der Alpen ein starker Föhnsturm (Lauberhorn Spitzenböen bis 204, Patscherkofel bis 137 km/h), während es im Tessin bei 53 (Lugano) bis 60 mm Niederschlag (Locarno) 60 bis 70 cm Neuschnee gab. Lugano hatte auch im gesamten Winter mit 117 cm Neuschnee fast soviel wie im Rekordwinter 1984/85 (118 cm). Die Kälte erzielte zwar an einigen
Tagen Minima unter – 20 Grad, extrem war das aber nicht:
In einem Streifen im Westen des Bundesgebietes schien die Sonne im Februar nur sehr wenig, so dass nur um die 40 Stunden erreicht wurden, was in die Nähe der absoluten Minima kam, wie die Grafiken von Emden, Aachen und Karlsruhe zeigen:
Orte ohne längere Reihen hatten sogar noch weniger Sonne: Ellwangen 24, Friedrichshafen 30 (dort früher einmal 23 Stunden 1987 und 28 Stunden 1970) Stunden. Wolfgang Webersinke, Daxstein, März 2006 |