Witterungsbericht März 2006

für Deutschland, Österreich und die Schweiz
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Die immer noch hochwinterliche Witterung wollte und wollte im März 2006 nicht weichen. In Daxstein waren alle Tage bis zum 20.3. einschließlich zu kalt und die Schneehöhe erklomm neue Rekordmarken für März: am 9.3. wurden sagenhafte 235 cm gemessen (in den ersten 9 Tagen insgesamt 94 cm Neuschnee), so viel wie noch nie im ersten Frühlingsmonat (Klingenbrunn-Bahnhof 165 cm; ebenfalls Rekord). Die beigegebene Grafik zeigt wieder die durchschnittliche Schneehöhe und die täglichen Werte von 2006 (bis 9.4.2006):

Seit dem Beginn meiner eigenen Beobachtungen 1984 war die höchste Schneehöhe im März 182 cm gewesen (am 16.3.1988; Klingenbrunn: 160 cm):

Ob 2005/06 die bisher längste andauernde Schneedecke bringt, muss sich erst noch erweisen, denn in der Saison 1969/1970 lag der Schnee ununterbrochen vom 25.11. bis zum 6.5. (das sind 163 Tage!); die Daten sind aus den Beobachtungen von Schöfweg und Waldhäuser kompiliert:

Interessant waren damals die vergleichsweise geringen Schneehöhen bis Anfang Februar und der sich anschließende äußerst schneereiche Spätwinter (noch über 150 cm in der ersten Aprildekade!).

Heuer blieben die Neuschneemengen zwar beachtlich, aber deutlich unter denen von 1988. Dennoch wurde bis zum 31.3. eine noch nie da gewesene Neuschneesumme von 584 cm erreicht. Auch die Zahl der Eistage war mit 79 (am 17.3.2006) die höchste seit Beobachtungsbeginn 1984 (bislang 1995/96 76 Eistage). Im übrigen gab es am 21.3. den ersten reinen Regenniederschlag seit November und anschließend in der dritten Dekade zum ersten Mal durchgreifendes Tauwetter (allein am 28.3. 46,3 mm nur als Regen). Klingenbrunn hatte vom 12.11. 2005 bis zum 26.3.2006 jeden Tag zumindest Luftfrost, das sind 134 Tage hintereinander!
 Am 29. und 31. kam es über der tauenden Schneedecke zu den ersten Frühlingsgewittern. Die Zahl von 14 Eistagen wurde zuletzt 1987 überschritten (15). Der Monat verlief sehr trübe (10 Tage ohne Sonnenschein, es gab 13 Nebeltage und überhaupt keine Alpensicht.

Entlang einer Luftmassengrenze, die am 4.3. vom Französisch-Schweizer Jura über das Schweizer Mittelland und Südbayern bis nach Oberösterreich reichte, kam es zu Rekordschneefällen, die an Orten mit langen Beobachtungsreihen zu den größten je vorgekommenen Schneefällen innerhalb von 24 Stunden führte:

Besançon            32 cm
Belfort                 45
Bâle-Mulhouse     45
Tänikon               45
Zürich/Zürichberg  54
St. Gallen            60
Basel-Binningen   49
Freiburg i. Br.       40
Weingarten          50
Bregenz              44
Kempten             60
Kraftisried            60
München/Stadt    40

Solche Neuschneemengen sind in den Niederungen absolut ungewöhnlich. In München (wie von weiteren bayerischen Stationen) gibt es seit Oktober 1886 ununterbrochene Beobachtungen der Schneedecke (in der Schweiz merkwürdigerweise erst seit 1931!); hier sind bisher noch nie 40 cm innerhalb von 24 Stunden gefallen. Anbei eine  kleine Auflistung von Münchner Neuschneefällen über 30 cm in 24 Stunden:


 
Datum
Höhe
Station
10.12.1909
34 cm
Gabelsbergerstr.
08.01.1968
36
Bavariaring
13.01.1936
33
Sternwarte
07.02.1958
36
Nymphenburg


Mehr als 28 cm Neuschnee (19.3.1985 am Bavariaring) hat es bislang im März nicht gegeben. Die Tagesniederschlagsmenge des 4.3.2006 war übrigens in München die zweithöchste je im März gemessene (36 mm; Rekord: 53,6 mm am 8.3.1896). Unerreicht blieb in München aber der März 1944, als an 30 oder 31 Tagen im Stadtgebiet die Schneedecke geschlossen war, wie folgende Grafik zeigt (zusammen mit den Schneehöhen von 2006):

Im gesamten heurigen Winter gab es in der Münchner Innenstadt bereits 86 Tage mit geschlossener Schneedecke; dieser Wert  ist seit Kriegsende nur in drei Wintern noch überboten worden: 1946/47 mit 91, 1969/70 mit 108 und 1962/63 mit 111 Tagen! Am 5.3. verlagerte sich das angesprochene Schneefallgebiet südwärts und nun gab es in Kärnten ordentlich Schnee (6.3. Klagenfurt 48 cm). Aber auch im Norden Deutschlands lag teilweise extrem viel Schnee: Schwerin erreichte am 12.3. mit 26 cm ebenfalls das absolute Märzmaximum (Lamstedt am 11. 34 cm).

Folgende große Tagesmengen des Niederschlags sind aufgetreten:


 
2.
Höchenschwand
60 mm
Krunkelbachhütte
83,8
4.
Kaufbeuren
50,3
5.
Villach/A
59
Eisenkappl/A
54
8.
Todtmoos
84
Balderschwang
63,3
Warth/A
53
28.
St. Anton/A
65
30.
Krunkelbachhütte
69,2
Feldbergbahn
57

Bis zum 14. kamen auch noch sehr tiefe Minima der Temperatur vor:


 
2.
Seefeld/A
-23,4°C
Klingenbrunn/Bhf.
-20,9
6.
Itzehoe
-21,3
8.
Seefeld/A
-23,9
Mähring
-20,2
13.
Seefeld/A
-24,1
Steinau b. Cuxhaven
-21,1
Itzehoe
-20,1
14.
Morgenröthe-Rautenkranz
-20,1
Bernau
-21,4

Am 13.3. meldete gar Hamburg-Fuhlsbüttel mit 15,3°C das tiefste Märzminimum seit mindestens 1876! Als kleinen Ausgleich dazu schaffte milde Föhnluft am 27.3. im Süden fast sommerliche Höchsttemperaturen: Vaduz in Liechtenstein 24,6°C, Tulln in Niederösterreich 24,5°C.

Schon am 11. März richtete ein erster Tornado in Weitensfeld im Kärntner Gurktal bedeutende Sachschäden an. Noch viel schlimmer wütete dann ein Tornado in Harburg bei Hamburg am 28.3. und forderte sogar Menschenleben.
 
 

Wolfgang Webersinke, Daxstein, April 2006