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Nur drei Jahre nach dem
Jahrtausendsommer 2003 machte das Wetter wieder Anstalten an die damalige
Hochform anzuknüpfen: der Juli 2006 stand dem August 2003 nur wenig
nach. Bemerkenswert waren heuer weniger die Hitzespitzen als vielmehr das
völlige Fehlen kühlerer Phasen. Die mit der zweiten Junidekade
begonnene Hitzeperiode endete genau mit dem 31.7.
In Zenting-Daxstein erreichte die Mitteltemperatur mit 20,1°C genau den Wert des Hitzejuli 1983, blieb aber um 0,4 K unter der von 1994. Heiße Tage gab es keine, dafür drei Tropennächte (21., 26. und 27.7.). Die mittlere Luftfeuchtigkeit war mit 62 Prozent sehr tief (Vergleichbares in Hausstein/Rusel 1934 und 1935 mit je 61 % und in Waldhäuser 1983 mit 63 %). Auch der Bewölkungsgrad blieb klein (3,3 Achtel entsprechen 41 % mittlerer Himmelsbedeckung), tiefer wohl nur 1928 mit sogar nur 25 %. 47,2 mm Niederschlag bedeuten den siebttrockensten Juli der 1876 beginnenden Reihe (nach den 9 mm von 1983 noch 1971, 1969, 1928, 1921 und 1911). Wie bei uns üblich kam es aber zu keinen Trockenschäden, da immer genug Feuchtigkeit im Boden vorhanden ist. Es ließen sich an 11 Tagen Gewitter hören, aber nur am 6. war es eines der heftigeren Art. Nebel trat nur zweimal auf. Die Monatsmitteltemperaturen des heurigen Hitzejuli überstiegen in weiten Teilen West- und Mitteleuropas die bisherigen Rekordmarken, waren teilweise sogar höher als im August 2003. Alte Höchstmarken hatten nur in folgenden Gebieten Bestand: im Tessin (1928 heißer), stellenweise an der Nordseeküste (z.B. List oder Emden: 1994 heißer), im Süden vom Schwarzwald über Schwaben, Ober- und Niederbayern gebietsweise, zum Teil in Franken (z.B. Nürnberg (1994 heißer), München/Stadt, Augsburg (je 1983). In der folgenden Übersicht erscheinen einige Orte, die heuer den wärmsten Juli ihrer Beobachtungsgeschichte verzeichneten:
Die meisten dieser Stationen
verfügen über mindestens 100jährige Reihen (Hohenpeißenberg
ab 1781, Basel ab 1755, Genf ab 1753). Im Übrigen gab es auf der Zugspitze
zum ersten Mal einen Monat ohne jeglichen Luftfrost (seit Juli 1900).
Von Genf, Hohenpeißenberg, Kleve, Jena und Wien habe ich die Temperaturen
als Grafiken dargestellt: Um den Verlauf der Hitze besser zu illustrieren, zeige ich vom Hohenpeißenberg
noch zum Vergleich die täglichen Mitteltemperaturen in den heißen
Julimonaten 1859, 1983 und 2006:
An einigen Orten in Norddeutschland bis hinein in den Mittelgebirgsraum konnten sogar die absoluten Maxima der Temperatur überboten werden, wenngleich Temperaturen über 40 Grad heuer nicht vorkamen (wohl aber 1983!); der betreffende Tag war der 20.7.2006:
Andernorts wurden die
alten Rekordmarken nur ganz knapp verfehlt: Magdeburg hatte 37,3° (23.7.1911
37,5°), Schwerin 35,7° (14.7.1923 35,9°), Marnitz 36,1°C
(10.7.1959 36,2°) oder Jena 37,6°C (29.7.1947 38,0°).
Bemerkenswert war also weniger das Hitzemaximum als vielmehr die lange Andauer der Wärmeanomalie (mit ganz kurzen Unterbrechungen von der zweiten Junidekade bis genau zum 31.7.). So hatte eine Vielzahl von Stationen im Juli 31 Sommertage (aber auch die 27 von München sind im Juli bisher noch nie vorgekommen) und auch die Zahl der heißen Tage war noch niemals so groß wie im Juli 2006 (Bensheim, Ihringen, Offenburg 25). Die Niederschlagsmengen waren im vergangenen Monat, ganz wie bei schauerartigen Gewitterregenfällen zu erwarten, auf engstem Raum sehr unterschiedlich: in Haar, östlich von München gab es nur 24,4 mm, 13 km weiter östlich in Osterseeon dagegen 108,8 mm, nur weil dieser Ort mehrfach von starken Gewitterregen betroffen war. Insgesamt am trockensten war es an der Ostseeküste (Greifswalder Oie 3,6 mm) und in Sachsen und Brandenburg (Coschen 2,4 mm), am nassesten in Arnsberg-Neheim (215,8 mm). An einigen Stationen reichte es daher zum trockensten Juli der Beobachtungsgeschichte: Görlitz 7,0 mm, Dresden-Klotzsche 6,5 mm, Hohenpeißenberg 29,3 mm. Die Grafiken von Görlitz und Hohenpeißenberg folgen: ![]() ![]() Bei den Gewittern kamen
verschiedentlich extreme Mengen herunter:
Am 7.7. in Berlin-Charlottenburg 104,4 mm und am selben Tag in Karlsruhe 76,5 (DWD) bis 110,0 mm (MM). Für Karlsruhe bedeutet das die höchste 24stündige Juliniederschlagsmenge seit mindestens 1876. Der 26.7. bescherte Arnsberg-Neheim 87,1 mm. Zwei Tage darauf hatte Gießen-Oberer Hardthof 91,9 mm, in Gießen gab es allerdings schon einmal 116 mm am 30.7.1862. Ebenfalls am 28.7. fielen in Katzhütte 80,2 (MM) bis 94,8 mm (DWD). Weitere große Tagesmengen:
Ziemlich flächendeckend
gab es auch den sonnigsten Juli der vielen Messreihen, nur etwas gehäufter
im Norden und Süden der Republik waren andere Julimonate noch sonniger
(1994 in Kassel, Kiel, Arkona oder Greifswald, 1971 in Lüdenscheid,
1949 öfter in Süd- und Ostbayern und in Karlsruhe, 1932 auf der
Zugspitze, 1921 auf dem Fichtelberg. Von den Rekordstädten Berlin,
Frankfurt am Main, Nürnberg und Wien gibt es wieder die Grafiken:
![]() ![]() ![]() ![]() Abschließend noch
eine kleine Liste mit den Rekordwerten einiger Stationen mit langen Reihen:
Genau zum Monatswechsel war das Ende der großen Hitze gekommen und ein unfreundlicher, kühler und sonnenscheinarmer Witterungsabschnitt (insbesondere für Süddeutschland) begann. Wolfgang Webersinke,
Daxstein, 13.8.2006
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