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Mit dem zu Ende gegangenen
August hat sich eine Witterungskonstellation ergeben, die in dieser drastischen
Ausprägung seit Beginn der instrumentellen Wetterbeobachtungen (Beginn
des 18. Jahrhunderts) in Mitteleuropa noch nie vorgekommen ist: heißer
Juli und deutlich zu kalter August. Lag bisher der größte Temperaturkontrast
bei gut 5 K (z.B. Berlin 1912 5,1 K, Wien 1788 5,2 K, Genf 1870 5,2 K,
München und Hohenpeißenberg 1874 mit 5,2 und 5,3 K), so wuchs
er diesmal auf z. T. über 8 K:
Zur
vergleichenden Illustration folgen noch die Tagesmitteltemperaturen im
Jahr 1874 in München und von heuer im Erdinger Moos:
In
Zenting-Daxstein
betrug der Unterschied der beiden Monate genau 7 K. Nur der 1., 7. und
17.-19. hatten ein Tagesmittel, das über dem 30jährigen Mittel
lag. Der Abschnitt vom 1. bis 14.8. war sogar fast 3 K zu kalt. Insgesamt
handelte es sich um den kältesten August seit 1940 in unserer Region
(noch kühler: 1924, 1912 und 1908). Zu der kühlen Witterung trat
auch noch dichte Bewölkung: der Bewölkungsgrad von 80 % erinnert
an einen Wintermonat. Genau dieser Wert wurde nur einmal, nämlich
1896, an der Vergleichsstation Lindberg-Buchenau erreicht; der nächst
schlechtere August war 1968 mit 74 % (Rusel). Es ist also anzunehmen, dass
auch die Sonnenscheindauer in unserem Gebiet die bisher kleinsten Werte
auszuweisen hat (bis dato 133 Stunden im August 1931 auf der Rusel). Regenmäßig
verlief der August hier zwar nass, aber angesichts der Ergebnisse von 2002
nicht rekordverdächtig. Nebel trat an 12 Tagen auf, zu Gewittern kam
es nur an 5 Tagen. Am 19. gab es seit längerer Zeit wieder einmal
Alpensicht.
Der Sommer 2006 war dennoch deutlich zu warm (16,2°C = Abw. + 1,4 K) und zu trocken (312 mm entsprechen 80 % des 30jährigen Mittels).
Bei der Betrachtung der Temperaturen gibt es nur einen einzigen Hitzerekord zu vermelden: in Nizza wurden am 1.8. (dort war die alte Heißluft noch wirksam) 37,7°C erreicht, der höchste Wert für alle Monate seit 1942. Ansonsten dominierte bei uns die kühle Luft, die am Monatsletzten in Reisach in Kärnten sogar nur 0,8°C brachte. Entsprechend der vorherrschenden Luftmasse gab es in Deutschland nur wenige Sommertage (Frankfurt am Main 3, weniger gab es nur in 9 Jahren seit 1826, zuletzt 2 1924; 2 in München: 2 Tage sind gar nicht so selten, zumindest im 19. Jahrhundert [8 Fälle], gar keine Temperaturen über 25 Grad kamen nur 1833 und 1896 vor).
Vor allem in Süddeutschland und der Schweiz war der August besonders kühl. Noch kälter waren erst 1979 (z.B. Säntis), 1976 (z.B. Wien), 1956 (z.B. Zürich), 1940 (München) oder gar erst 1912 (Zugspitze: 1912 war nur 0,1 K kälter!). Deshalb folgt die August-Temperaturkurve der Zugspitze:
Die
Übersicht von großen Tagesmengen des Niederschlags wird diesmal
etwas umfangreicher:
In weiten Gebieten wurden dabei in der Monatssumme keinerlei Rekordwerte gemessen, allein im Nordwesten wurden die bisherigen absoluten Höchstmarken überschritten: in Oldenburg gab es 4 mm mehr als im August 1927 (187 mm) und auf Helgoland waren es 251 mm (bislang 222 mm 1941; Reihe ab 1891). Die Grafik von Oldenburg befindet sich nachstehend:
In
den zentralen und östlichen Gebieten der Schweizer Alpennordseite
kam es zum sonnenscheinärmsten August seit mindestens 1901 (z.B. Zürich
nur 109 Std.): Auf dem Säntis bedeuten die kärglichen 69 Stunden
(nur 7 Stunden vom 1. bis 14.8.!) den Minimumrekord seit Aufnahme der Messungen
1888 (bisher 86 Stunden 1896):
Aber
auch andernorts muss man weit zurückgehen, um noch weniger Augustsonne
zu finden. In Aachen ergeben 106 Stunden den zweiten Rang seit 1897 (nach
1912: nur 46 Stunden!):
In
München handelte es sich um den dritt-sonnenärmsten August der
Messreihe (nach 1912 und 1968). Salzburg war mit nur 117 Stunden
noch schlechter dran.
Dass es aber noch viel schlechter geht, zeigt ein Blick in die Wetterannalen: 1968 ging auf dem Sonnblick die Temperatur auf – 9,7°C zurück, 1896 gab es dort oben im August 28 Frosttage. Am 28.8. 1912 meldete der Säntis eine Schneehöhe von 42 cm. Am 23. und 24.8. 1940 schneite es auf dem Fichtelberg im Erzgebirge und am 30.8. desselben Jahres gab es sogar auf dem 914 m hohen Inselsberg im Thüringer Wald Schneeregen! Am 31.8. meldeten der Sonnblick und die Zugspitze – 10 Grad.
Wolfgang Webersinke, Daxstein, 10.9.2006 |