|
Praktisch nahtlos zog
sich die seit September andauernde, extreme Warmphase hinein ins neue Jahr.
An zahlreichen Stationen wurde es der wärmste Januar seit mindestens
1901 und vor allem im Norden war es auch teilweise der nasseste im selben
Zeitraum.
In Daxstein begann 2007 am 1.1. nachmittags gleich mit einem fast halbstündigen Gewitter, das sogar vier Minuten lang Hagel brachte. Am 2. setzte dann Schneefall ein und für vier Tage hielt sich eine, für Daxsteiner Verhältnisse, dürftige Schneedecke. Anschließend herrschten wieder extrem milde Verhältnisse bis zum 21. In diesem Zeitraum gab es lediglich 5 Frosttage.
Erst in der Nacht zum 23. meldete sich der Winter einigermaßen standesgemäß zurück, mit täglichen, z. T. ordentlichen Neuschneemengen zurück (18 cm am 28. und 15 cm am 29. morgens) und vom 24. bis 28. reichte es immerhin zu 5 Eistagen am Stück. Mit leichtem Tauwetter endete dieser außergewöhnliche Monat. In der Bilanz gab es dann hauchdünn den wärmsten Januar der ganzen Messreihe (ab 1891): 1,7°C – alter Rekordhalter war 1948 mit 1,6° (Klingenbrunn/Bahnhof übrigens maß 1,1°C). Die 13 Tage mit Schneedecke (Klingenbrunn 12) wurden seit 1883 nur ein einziges Mal unterboten, und zwar im äußerst schneearmen Januar 1972 (11 Tage), die Neuschneesumme hingegen war heuer gar nicht so gering (87 cm). Nebel bildete sich an 17 Tagen, die Alpen waren an 6 Tagen sichtbar.
In der Rückschau auf die Witterungsverhältnisse in ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich (sowie gelegentlichen Seitenblicken nach Frankreich) wird die außerordentliche Wärme des Januar 2007 besonders deutlich: an vielen Flachlandstationen von Nordfrankreich bis nach Österreich hinüber war es der wärmste seit mindestens 150 Jahren. Sobald aber Gebirgsstationen ins Spiel kommen, fällt 2007 weit zurück, weil dort nur warme Hochdruckgebiete und viele Föhnlagen zu hohen Wintertemperaturen führen: zum Beispiel der Hohenpeißenberg, der hatte heuer eine Mitteltemperatur von 2,2°C, der Rekord liegt im Jahr 1796 bei 6,1°C! Schon in München (sowohl für die Stadt- wie auch die Landstation) war der Januar 2007 der wärmste seit dem legendären Januar 1834 (auch hier der Rekordhalter aber 1796). Ansonsten lagen Gebiete mit der höchsten je gemessenen Mitteltemperatur neben solchen, wo an den Grenzwerten nur „gekratzt“ wurde, ohne sie zu übertreffen: z.B. Regensburg, Straubing (1921 etwas wärmer), ebenso Würzburg oder Aachen, Münster, Hannover oder Göttingen (1975 wärmer). Genau die Grenzwerte erreichten Karlsruhe (6,3°) oder Emden (6,5°). Nachfolgend eine (sicher nicht erschöpfende) Liste mit Stationen, die mindestens seit 1901 keinen wärmeren Januar als 2007 hatten:
Aber auch in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und in Frankreich war es oft der mildeste Januar in den alten Reihen:
Von den Stationen Basel, Emden, Görlitz und Kremsmünster habe ich Grafiken der Januarmitteltemperatur angefertigt:
Bedingt
durch die andauernde Zufuhr milder Luftmassen, wurde an einer Reihe von
Orten auch das absolute Januarmaximum der Temperatur erreicht, vorwiegend
im Westen und Norden der Bundesrepublik, aber auch in Österreich östlich
von etwa Salzburg bis ins Burgenland und vereinzelt in der Schweiz. Nachfolgend
nun eine Übersicht über hohe Maxima im Januar 2007, wobei die
absoluten Rekorde kursiv und fett gesetzt sind:
Beim Sonnenschein gab es ein Nord-Süd-Gefälle: wenig in den Mittelgebirgen (Schmücke/Thüringer Wald 10 Stunden), immer mehr Richtung Alpen: Klagenfurt 145 Stunden (dort nur bisher zweimal überhaupt mehr, zuletzt im Vorjahr).
Im Norden und Nordwesten fiel reichlich Niederschlag, so dass dort ab und zu der nasseste Januar der gesamten Messreihe beobachtet wurde: dies war in Kiel (155 mm), Lübeck (128 mm), Schleswig (175 mm), Boltenhagen (105 mm), Norderney (131 mm) und Oldenburg i. O. (148 mm) der Fall. Vom letzt genannten Ort liegt wieder eine Grafik vor:
Ebenso
brachte der 18.1. (Durchzug von Orkan Kyrill) im Norden stellenweise den
größten je gemessenen 24stündigen Januarniederschlag, wie
folgende Tabelle zeigt:
Weitere hohe Tagesmengen traten aber auch andernorts auf:
Abschließend folgt noch eine kleine Übersicht über hohe Spitzenböen dieses Orkanereignisses, wobei anzumerken ist, dass die Warnungen dieses Mal sehr frühzeitig erfolgten.
Wolfgang Webersinke, Daxstein, Februar 2007 |