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In seiner besonderen
Ausprägung von Wärme, Sonnenschein und Dürre geht der diesjährige
April als ganz außergewöhnlicher Monat in die Witterungsannalen
ein. Angesichts der Fülle von Wetterrekorden aus den vergangenen Jahren
mag man die Vokabel Jahrhundertereignis schon gar nicht mehr in den Mund
nehmen.
In Zenting-Daxstein setzte die hohe Mittel-Temperatur neue Maßstäbe: mit 11,7°C wurde die alte Höchstmarke aus dem Jahr 1934 gleich um 1,6 K „verbessert“. Nur ein einziges Mal gab es – dank der Hanglage – Bodenfrost, an 5 Tagen übersprang das Quecksilber die 20-Grad-Marke und nur 2 Tage (der 4. und der 30.) waren etwas zu kühl gegenüber dem Durchschnitt 1961 bis 1990. Dafür war der 13. um 13,4 und der 14. um 13,5 K zu warm! An einzelnen Tagen kam es zu leichten Niederschlägen (1. bis 3., 17. und 24.). Die 6,2 mm Regenmenge (es fiel keinerlei Schnee oder Schneeregen) ist die zweitkleinste seit Beginn der Beobachtungen (Rückrechnung ab 1876): nur 1893 war es noch dürrer (nur 1 mm). 1893 war es in weiten Teilen des Bayerwaldes noch dürrer als heuer: Buchenau damals 0,7, 2007 5,6 mm; Metten 0,3 gegen 9 mm; nur Waldkirchen meldete heuer nur 1,3 mm. Aber anders als 1893 taute heuer keine Schneedecke mehr ab, so dass die Trockenheit doch recht fühlbar wurde. 2007 war der 15. April (seit 1884) ohne jegliche Schneedecke.
Extrem trocken war die Luft; mit 47 % relativer Luftfeuchte wurde ein sensationell niedriger Monatswert ermittelt, selbst im August 2003 waren es 54 %! An 10 Tagen wurden sogar um 22.30 Uhr noch weniger als 40 % abgelesen! 15 heitere Tage gab es schon zweimal: im Februar 2003 und im Januar 2006. Das gesamte Bewölkungsmittel lag bei nur 27 % (2,2 Achtel). Die Sonnenscheindauer erreichte in Lalling 313, in Saldenburg 302 Stunden, in Haidmühle lag sie etwas unter 300 Stunden. Aus dem April 1946 liegt noch eine Sonnenscheinmessung aus Finsterau vor, die 296 Stunden ausweist. 1893 gibt es aus ganz Bayern leider noch keine Sonnenscheinregistrierungen.
In weiten Teilen Mitteleuropas (aber z.B. auch in Frankreich, vor allem in den mittleren und nördlichen Landesteilen) handelte es sich um den wärmsten April seit 1800 (wenn man die alten Reihen heranzieht). Natürlich darf man sich nicht an Zehntelgraden festbeißen, denn so genau wie heute waren damals die Messungen nicht. Aber die homogenisierte Reihe von München weist nur 1800 einen deutlich höheren Wert als heuer aus, nämlich 14,0°C (2007 12,0°C). Auf dem Hohenpeißenberg ist ebenfalls nur 1800 wärmer (12,1° gegen 11,2° 2007); die folgende Grafik zeigt die Tagesmitteltemperaturen der beiden Aprilmonate:
Einzelne
Orte haben 2007 keinen Rekord erreicht (etwa Göttingen, Greifswald,
Görlitz, Erfurt oder Straubing), dies liegt einmal an anderen Stationslagen,
zum anderen sicher auch an anderer Messtechnik in früheren Zeiten.
Die „Qualität“ der Mitteltemperatur von heuer sollen die Temperaturgrafiken
von Genf (2007 eindeutig Rekordhalter) und Kremsmünster (dort 1800
wärmer) zeigen:
Die
höchsten Monatsmitteltemperaturen wurden aus dem Südwesten gemeldet:
Bad Bergzabern, Stuttgart/Neckartal und Heidelberg mit jeweils 15,2°C.
Die Wärme war meist ohne ganz große Tagesspitzen, so dass die
absoluten April-Temperaturrekorde nicht in Gefahr waren, obwohl an einzelnen
Orten die 30-Grad-Marke erreicht oder überschritten wurde (siehe meinen
zweiten VdA-Bericht). Wohl aber weist in den wärmebegünstigten
Gebieten die zahl der Sommertage ein bisher nie gekanntes Niveau auf: Karlsruhe
14 (bisher höchstens 6 seit 1876) oder Frankfurt am Main 10 (bisher
ebenfalls höchstens 6; seit 1826).
Auf etwa 70 Prozent der Fläche der Bundesrepublik sind im vergangenen April weniger als 6 mm Niederschlag gefallen, einige Orte im Westen (am Rhein) und in den westlichen Mittelgebirgen sind sogar ohne messbaren Niederschlag geblieben: Kalkar, Geilenkirchen, Bendorf, Gießen, Karlsruhe, Bad Marienberg und Oschatz (als einzige Station im Osten). Für sehr viele Stationen bedeutet dies auch den trockensten April der Messgeschichte (u.a. List, Schleswig, Hamburg, Potsdam, Leipzig-Schkeuditz, Dresden, Görlitz, Würzburg, Bamberg, Zugspitze; alle Reihen zumindest ab 1901 oder noch weiter zurück). Für Bremen, Trier, Karlsruhe und Kremsmünster folgen die einschlägigen Grafiken:
Doch
nicht überall war der April 2007 auf extremem Trockenkurs: vor allem
in Bayern gab es vom Allgäu über die mittlere Münchner Schotterebene
bis hin zur Frankenalb und hinüber zur Oberpfalz sowie auch um den
Harz und im Schwarzwald eine etwas niederschlagsreichere Zone, die zum
Teil über 20 mm Regen hatte: München/Stadt 16,6 mm, Kösching
25, Gelbelsee 27, Hüll 28 mm. Genaue Werte aus dem Saarland, außer
den Tageswerten in meinem zweiten Artikel, liegen mir nicht vor. Wie unterschiedlich
im Einzelnen die Situation war, zeigt sich am Alpenraum: Kempten hatte
1893 nur 7 mm, heuer 9,9; in Garmisch gab es 1893 31,4, heuer nur 7,3 mm;
München liegt weitab vom Trockenrekord 1893 (0,3 bis 0,9 mm), in Mühldorf
dagegen regnete es 2007 nur 0,2 mm.
Die mittlere Luftfeuchte war aber insgesamt 2007 etwas höher als 1893, wie einige Stationen beweisen (jeweils zuerst 1893, dann 2007): Potsdam 54 gegen 58 %, Karlsruhe 49 gegen 56 %, München 51 gegen 54 %, Weißenburg 44 gegen 61 %.
Phänomenal dagegen die Ergebnisse der Sonnenscheinsumme. Sicher kann man sagen, dass es seit 1901 keinen sonnigeren April gegeben hat als 2007. Für 1893 lassen sich nur für die Schweiz einigermaßen konkrete Aussagen machen: dort war zum Teil 1893 sonniger (z.B. in Zürich, in Basel genauso sonnig). In Deutschland gab es damals nur wenige Sonnenscheinregistrierungen in Württemberg, Baden und im preußischen Beobachtungsnetz: im Süden war hier 1893 eindeutig weniger sonnig als 2007, im Norden lässt sich keine eindeutige Aussage machen. Auf alle Fälle hier die Grafiken von Zürich, Bern und Stuttgart/Flughafen:
Selbst
für einen Juli wären die heurigen Aprilwerte sensationell hoch
gewesen (z.B. München/Stadt 330 Stunden oder gar die 354 für
Karlsruhe -dieser Ort scheint in ganz Mittel- und Westeuropa die höchste
Sonnenscheindauer im April gehabt zu haben)! Im Übrigen war März
und April zusammen in München der sonnigste Zweimonatsraum seit mindestens
1901 (bisher 1953 mit 430 Stunden, 2007 nun mit 506 Stunden).
15 Sommertage in Rheinfelden und 4 heiße Tage in Duisburg sind fürwahr im April mehr als außergewöhnlich.
Wolfgang Webersinke, Daxstein, Mai 2007 |