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Wie
schon oft in den letzten 20 Jahren verlief der letzte Monat des Jahres
in unseren Breiten zu mild. Beim Niederschlag zeigte sich ein differenzierteres
Bild (eher trocken im Norden und nass südlich der Alpen), wie auch
beim Sonnenschein (im Norden Defizite, im Süden teilweise sehr sonnig).
In Zenting-Daxstein waren nur 9 Tage kälter als im Mittel 1961 bis 1990, so dass ein bedeutender Temperaturüberschuss registriert wurde. Auffallend ist der geringe Schneefall: nur 39 cm Neuschnee gab es. Am 21.12. wurde allgemein im Bayerischen Wald die „größte“ Schneehöhe des Monats gemessen: Saldenburg-Entschenreuth 9, Zwiesel 19, Daxstein 26 und Buchenau 28 cm. Immerhin 18 Tage waren vernebelt, aber auch an 8 Tagen herrschte Alpensicht (am schönsten am wolkenlosen 30.12.). Vor allem die letzten vier Tage des Jahres 2008 verwöhnten mit durchgehend wolkenlosem Himmel, was nicht oft im Dezember vorkommt.
Die Niederschlagsmenge blieb weit unternormal, wie folgende Übersicht beweist:
Der geringe Wert der Kachelmann-Station Haidmühle scheint fehlerhaft, was vor allem am 20.12. liegt, wo Haidmühle nur 8,3 mm meldet (Daxstein 19,3, Buchenau 25,7, Zwiesel 18,9 oder Untergriesbach-Schaibing 20,6 mm).
An den letzten beiden Tagen des Monats baute sich eine kräftige Inversion auf, die in den Tallagen kräftige Nachtfröste zur Folge hatte, eine Gegenüberstellung der Temperaturen (°C) um 7 Uhr zeigt dies deutlich:
Gesamthaft ergab sich für diesen Dezember seit langem mal wieder ein etwas winterlicheres Bild, als wir es in den letzten Jahrzehnten gewohnt waren. Obwohl in Osteuropa noch am Beginn des Monats Wärmerekorde registriert wurden (Weliko in Bulgarien am 4. 28,6°C, Kiew am 5. 14,7°C und Simferopol auf der Krim am 4.12. 25,4°C), war es auf der Alpensüdseite (und vereinzelt auch im Norden) ein recht schneereicher Dezember: am 1.12. lag etwa in Samedan/CH 78 cm Schnee, so viel wie noch nie am Monatsanfang; am 14.12. hatte es in Zentralfrankreich stark geschneit: Mende (750 m) 55, St Chély d’Apche (1000 m) 60 und Clermont-Ferrand (430 m) 10 cm. Und am 18.12. meldet Bern-Zollikofen mit 38 cm die höchste Dezemberschneedecke seit Beginn der Messungen 1931 (alter Höchstwert 29 cm am 29.12.1938). Noch weit beeindruckender gestalteten sich die Schneefälle aber in Osttirol. In Lienz (der Bezirkshauptstadt) begann der Monat mit einer etwa 40 cm hohen Schneedecke. Am 9. setzten starke Schneefälle ein, die bis zum 12. zu 125 cm Schnee führten. Noch nie seit Beginn der Messungen 1895 lag so viel Schnee im Dezember (bislang 111 cm am 7.12.1903); die gesamte Neuschneemenge dort beläuft sich im Dezember auf 156 cm. Die bislang höchste Schneedecke überhaupt lag in Lienz am 2.3.1909 (180 cm). Von der Villacher Alpe (2140 m) wurden am 12.12.2008 184 cm Schnee gemeldet, was ebenfalls ein Rekord sein dürfte. Am ersten Weihnachtsfeiertag schließlich erlebte das Tessin seine Weihnachtsüberraschung, denn am 26. morgens lagen in Locarno-Monti, am Observatorium Ticinese 18 cm Schnee.
In Südwestfrankreich schließlich gingen am 26. außerordentlich ergiebige Regenfälle nieder (nach langer Trockenheit), Perpignan hatte 132,8 mm, was zuvor nur selten in einem Dezember überboten wurde (148,0 mm am 3.12.1887 und der Rekord von 184,4 mm am 14.12.1932). Auch 6+die Dezember-Monatssumme von 207,4 mm ist nur dreimal seit 1833 überschritten worden: 1953 299, 1840 363 und 1932 445 mm. Dass dies der Auftakt für weitere Wetterkapriolen in Frankreich im Januar war, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Zurück nach Deutschland. Wie immer folgt nun die Auflistung der besonders hohen Tagessummen des Niederschlags, die natürlich mit denen gerade von Perpignan nicht mithalten können:
Von den Monatssummen sind nur die im Dreieck Bremen-Diepholz-Cuxhaven interessant, denn dort fiel nur sehr wenig Niederschlag, wie die Grafik von Bremen (der Ort mit der längsten Reihe) zeigt:
In
den ersten 25 Jahren gab es eine Reihe von Jahren mit weniger als 10 mm
Niederschlag (1840, 1844, 1851, 1853 und 1864; wie überhaupt die Ausschläge
damals wesentlich intensiver als heute waren), nach dem absoluten Minimum
von 1890 trat ein solches Ereignis seltener auf (1932, 1963 und 1972 und
2008 dann 8,5 mm). Cuxhaven und Diepholz hatten jeweils 13 mm zu bieten,
wobei die Cuxhavener Beobachtungen 1868 einsetzen (1890 dort 3 mm), die
von Diepholz 1901 (1963 6 mm).
Wolfgang Webersinke, Daxstein, 10.1.2009 |