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Der
letzte Frühlingsmonat 2010 wurde ein kühler und sehr trüber
Geselle: in weiten Teilen Deutschlands war es der sonnenscheinärmste
seit mindestens 100 Jahren.
In Zenting-Daxstein zeichnete er sich nicht durch besondere Kühle aus, da immerhin zwölf Tage über dem langjährigen Temperaturmittel lagen (mehrheitlich in der dritten Dekade); zuletzt war der Mai 2004 kühler (10,1°C). Tief waren vor allem die täglichen Maxima (im Schnitt nur 12,9°C), da nur wenig Sonne schien (81 % Himmelsbedeckung). Fast täglich gab es Niederschlag: der erst im Vorjahr aufgestellte Rekord von 26 Niederschlagstagen wurde um einen weiteren Tag überboten (normal 16 Tage). Die Regenmenge von 197 mm war die viert-höchste der vergangenen 40 Jahre (2007 204, 2006 232 und 1970 213 mm). An 7 Tagen entluden sich Gewitter, dabei fielen zweimal am 25.5. Hagelkörner von bis zu 1,5 cm Durchmesser, die schon einige Blumen und Blätter knickten. In der darauf folgenden Nacht ereignete sich gegen 4 Uhr ein weiterer, leichter Hagelfall. Ab 5 Uhr schließlich kam es zum ärgsten Hagelunwetter der letzten Jahrzehnte in Daxstein. Die Hagelschloßen hatten einen Durchmesser von 2 bis 3 cm, sie fielen extrem dicht und dazu kam noch ein stark auffrischender Nordwestwind; der ganze Spuk dauerte eine halbe Stunde und machte die Gartenarbeit der Wochen davor schlichtweg zunichte. Am Erdbodenminimum dieser Nacht wurde die Wucht des Hagels deutlich: die 5,0° dort waren 4,5 Kelvin niedriger als das Hüttenminimum! Bei der Ostwärtsverlagerung des Gewitterherdes wechselten sich immer wieder Abschnitte ohne jeglichen Hagelfall mit großflächigen Schäden ab (z.B. in Schöfweg, 3 km nördlich, wenig sichtbar, in Mutzenwinkel, 1km östlich von Schöfweg gar kein Hagel und dann in Grafenau-Schlag oder Perlesreut wieder großer Hagelschlag …). Nebel trat 14 Tagen auf (normal 7), Alpensicht an 2 Tagen (9. und 13.). Die Frühlingsbilanz zeigt wenig Außergewöhnliches: Temperaturmittel 6,8°C (+ 0,5 K), Niederschlag 361,4 mm (116 % der Norm).
In unserer Region lagen die Mai-Mitteltemperaturen zwischen 4,9°C auf dem Großen Arber und 12,6°C in Aldersbach-Kriestorf (mit „t“ – das wird meist falsch geschrieben!). Die Regenmenge schwankte zwischen 108,3 mm in Aldersbach (Schorndorf-Knöbling 113,2 und Zwiesel 114,8 mm) und 196,7 mm in Daxstein (St. Englmar 171,8 mm). Die größte Tagesmenge betrug 42,7 mm am 13. Mai in Untergriesbach-Glotzing.
Zum ersten Mal lege ich nun den Schwerpunkt auf die geringe Sonnenscheindauer des Mai 2010. Hier kamen im Bereich des Bayerischen Waldes nicht einmal 100 Stunden zusammen: Gr. Arber 61,2, Haidmühle 78,0, Zwiesel 81,2, Grainet-Rehberg 85,2 und Entschenreuth 98,0 Stunden. Nur an der Donau waren es etwas mehr: Metten 105,7, Fürstenzell 108,3 und Aldersbach 110,9 Stunden. Der Bewölkungsgrad betrug 82 (Metten) bis 88 % der Himmelsfläche (Gr. Arber). In der Regel traten 20 bis 24 trübe Tage auf. Die längste Sonnenscheinreihe des Bayerischen Waldes habe ich aus Hausstein/Rusel (ab 1920), Finsterau (ab 1936) und Haidmühle (ab 2006) zusammengestellt. Hieraus ergibt sich klar die Sonderstellung des Mai 2010 mit seinen kümmerlichen 78 Stunden, der bisherige Rekord aus dem Jahr 1965 ist völlig pulverisiert:
Begibt
man sich ins Alpenvorland, so geht der Blick zurück auf den Mai
1939, als schon einmal ein extrem sonnenarmer und bewölkungsreicher
Monat aufgetreten war (24 trübe Tage in Bad Tölz und Biberach).
Folgende Bewölkungsmittel wurden gemessen:
Die daraus resultierenden Sonnenscheindauern waren auch dementsprechend:
2010 lag das Minimum der Sonnenscheindauer mehr nach Osten verschoben, mit den niedrigsten Werten im Bayerischen Wald und war auch insgesamt viel größer in der Fläche als 1939.
Um einen besseren Vergleich zu haben, wurde die Bewölkungsreihe von München herangezogen, hier steht bei den meisten trüben Tagen immer noch 1939 an der Spitze (2010 19, aber am Flughafen im Erdinger Moos 22!). Der Bewölkungsgrad betrug heuer 82 %; damit gab es bisher erst zwei Maimonate mit mehr als 80 % Monatsbewölkung: ![]() Wir
bleiben in München. Der Mai 1939 war auch der mai, in dem die tiefsten
absoluten Temperaturmaxima gemessen wurden: bei 17,7°C war Schluss
(in Horn bei Füssen sogar schon bei 15,2°C). Im Folgenden sehen
wir die Tagesmaxima von 1939 und 2010 in München – so schlecht war
dann 2010 hier auch wieder nicht:
Die
drei sonnenscheinärmsten Maimonate waren 1914 (116 Stunden), 1939
(118 Stunden) und dann 2010 (110 Stunden). Hier nun die täglichen
Summen dieser drei Jahre in München:
Anschließend im Überblick die monatlichen Maisummen seit 1902:
Im
mitteleuropäischen Rahmen war es in Deutschland am sonnenscheinärmsten.
Unter 100 Stunden Sonnenscheindauer registrierte man im östlichen
Niedersachsen, im Harz, teilweise in Brandenburg, in Berlin, im nördlichen
Hessen, in Sachsen und Thüringen, in Spessart und Odenwald, oft in
Nordbayern, im Bayerischen Wald, in den Alpen, in Baden und im östlichen
Baden-Württemberg. Zumeist waren es in diesen Gebieten auch die wenigsten
je im Mai gemessenen Sonnenstunden. Nach Südwesten hin waren 1939
(Feldberg/Schwarzwald) oder 1984 sonnenscheinärmer (Freiburg im Breisgau),
in den Alpen 1939 (Oberstdorf) oder 1902 (Zugspitze); nach Westen und Nordwesten
zu hält den Rekord weiterhin 1983 (etwa Geisenheim), 1984 (Brocken)
oder 1996 (Hannover oder Bad Salzuflen). Statt langer Listen der Rekordstationen
folgen die Sonnenscheingrafiken von aussagekräftigen Stationen: Erfurt,
Wien/Hohe Warte, Kremsmünster, Sonnblick und Stuttgart/Flughafen:
Abschließend
noch ein paar Worte zum Niederschlag: über Magdeburg ergossen
sich wahre Regenfluten: 192,9 mm sind über 400 % der Norm, was natürlich
leicht für den absoluten Mairekord reichte. Daneben wurde auch der
höchste 24-stündige Niederschlag beinahe erreicht (47,5 mm am
11.5.2010 gegen 47,9 mm am 6.5.1948). Genau den bisherigen Rekord von 1972
egalisierte Greifswald (115 mm). Diese beiden Niederschlagsgrafiken beenden
die umfangreiche Mai-Rückschau:
Wolfgang Webersinke, Daxstein, Juni 2010 |