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Vor 150 Jahren ereignete sich in Mitteleuropa ein
extrem eiskalter November, der in vielen langen Klimareihen bis heute unerreicht
ist.
Für
München möchte ich einen kurzen Witterungsrückblick
auf jenen denkwürdigen Monat geben. Schon am 29. und 30.10. werden
für weite Teile Süddeutschlands Frost und starke Schneefälle
gemeldet und am Monatsletzten herrscht von der Ostsee bis zum Bodensee
tiefster Winter (Temperaturmaximum an diesem Tag in München + 1,2°C).
Auch am 1. und 2.11. gibt es tagsüber noch leichtes Tauwetter. In
der Nacht zum 3. sinkt die Temperatur unter 0 Grad und bleibt bis zum 7.
im Dauerfrostbereich; dazu gehen kräftige Schneefälle nieder
(allein am 5. 11,3 mm, was bei – 3 bis – 6 Grad weit über 15 cm Neuschnee
bedeutet haben muss). Am 7. kommen die Temperaturen noch einmal über
0 Grad hinaus. Vom 9. an kommt es zu einer dramatischen Frostverschärfung,
die Kälte erreicht vom 10. bis 13. ein für die Jahreszeit ungeahntes
Ausmaß: Minimum am 10. -18,5° (um 21 Uhr), am 11. -19,0°,
am 12. -17,4° und am 13. erneut – 19,0°C. Am 14. kommt es wieder
zu leichtem Tauwetter (Maximum + 1,2°), danach für zwei Tage wieder
Dauerfrost. Anschließend greift stärkere Milderung von Südwesten
her durch: 18. + 8,2 und 19. + 8,5°C als Maximum. Aber schon am Abend
desselben Tages wird es wieder kalt mit Schneefällen. 20. bis 25.
sind erneut Eistage. Hernach wird die Kälte dauerhaft ausgeräumt
und wohl am 29. ist die geschlossene Schneedecke verschwunden. Der Monat
bringt es auf eine Mitteltemperatur von – 3,3°C, bei 27 Frost- und
17 Eistagen und einer Kältesumme von – 123,9°C.An keinem einzigen
Novembertag ist die Temperatur über 10°C gestiegen! Es folgt die
Temperaturgrafik von München-Sternwarte Bogenhausen:
Im
Vergleich mit dem Hohenpeißenberg zeigt es sich, dass vom 10. bis
13.11.1858 eine extreme Temperaturinversiongeherrscht
haben muss: am 13. um 7 Uhr meldet München – 19,0°C, der Hohenpeißenberg
aber + 5,8°C! Nachfolgend die Mitteltemperaturen und die jeweiligen
7-Uhr-Temperaturender beiden Orte im Vergleich:
Ich
habe weiter untersucht, wie sich dieser Monat an anderen Stationen „verewigt“
hat. Folgende Mitteltemperaturen (Auswahl) gab es damals:
Während
für München 28 Tage mit geschlossener Schneedecke (mit dem 30.
und 31.10. waren es sogar 30 Tage zusammenhängend!) anzunehmen sind
(tatsächliche Beobachtungen dieses Element wurden aber bis 1886 nicht
angestellt), waren es in Basel beispielsweise „nur“ 10 Tage (4., 6. bis
14.11.). In Friedrichshafen lagen am 5. und 6.11. 15 cm Schnee. Die
Zahl der Frost- und Eistage war beachtlich: Heilbronn 22 bzw. 12, Frankfurt
am Main 23 und 7 und in Jena 27 Frost- und 16 Eistage. Während
es in München beim ersten Kälteeinbruch die tiefsten Temperaturwerte
gab, sank die Temperatur im mittleren und östlichen Deutschland am
23.11. sehr tief ab, oft waren es die absoluten Novemberminima überhaupt:
Wolfgang
Webersinke, Daxstein, November 2008 |
Letzte Aktualisierung 15.01.2007
Durch Wolfgang Webersinke