Wetterstation Zenting-Daxstein

 

 

Witterungsbericht Juli 2018

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

In der Folge der anhaltenden Blockierung der Westwinddrift verlief der Juli 2018 in weiten Teilen West-, Mittel- und Nordeuropas warm, trocken, sonnig, garniert mit diversen Unwettereinschüben.

Beginnend im Nahraum des Bayerischen Waldes und der Region um München dauerte es mit der wirklichen Sommerhitze bis zum Monatsende; erst jetzt übersprangen die Höchstwerte flächenhaft und konstant die 30-Grad-Marke. Lange Zeit dominierten eher kühlere Nächte, wie die sehr tiefen Temperaturen an den bekannten Kältelöchern zu Monatsbeginn zeigen:

Ort
Temp.minimum
Tag
Zwiesel
6,6°C
1.7.
Puchberg
3,8
1.7.
Mariazell
3,5
1.7.
Deutschneudorf
1,4
1.7.
Marienberg-Kühnhaide
- 3,3
1.7.
Laufzorn
5,6
2.7.
Zwiesel
5,0
2.7.
Klausen-Leopoldsdorf
3,3
2.7.
Stift Zwettl
2,3
2.7.
Marienberg-Kühnhaide
- 3,9
2.7.

Bei den Mitteltemperaturen gab es in oben bezeichneten Räumen keine besonders hohen Werte. Wohl aber war der Zeitraum von April bis Juli einschließlich so warm wie nie zuvor (16,0°C=+ 2,4 K), was die Temperaturauswertung von Daxstein widerspiegelt:

Interessant war die Niederschlagsverteilung, die praktisch ausschließlich von gewittrigen Regenfällen geprägt war, d.h. die Ausbeute an Regen war auf kleinstem Raum extrem unterschiedlich. Dies zeige ich an zwei Tabellen, zuerst die Mengen im Großraum München:

Ort
RR-Menge
% von
 
Juli 2018, mm
1981-2010
Unterschleißheim
91
 
Oberschleißheim
111
102
München-Untermenzing
116
96
München-Harthof
118
95
München-Giesing
109
 
München/DWD, Wetteramt
92
75
München-Englschalking
98
 
München/Dt. Museum
84
 
München-Ramersdorf
75
 
München-Kirchtrudering
154
113
Grünwald
87
 
Laufzorn
94
62
Deisenhofen
83
57
Pliening/EBE
123
 
Neufinsing
113
93
Unterföhring
114
90
Frauenneuharting/EBE
65
45
Oberpframmern
86
51
Krailling
129
96
Gilching
105
83
Starnberg
88
62
Attenkam
87
54
Geretsried
75
44

Im nördlichen Halbraum fiel deutlich mehr Regen als im Süden: nördlich wurde sogar punktuell mehr Regen als im 30-jährigen Mittel gemessen, im Süden durchweg viel weniger als die Norm. Besonders auffällig die großen Unterschiede auf der kurzen Distanz von nur 5 km Luftlinie: 154 mm Niederschlag in Kirchtrudering (nahe am früheren Flughafen Riem) und nur 75 mm in Ramersdorf (etwa da, wo die Autobahn nach Salzburg beginnt).

Nun zum Ergebnis im Bayerwald:

Ort
RR-Menge
% von
 
Juli 2018, mm
1981-2010
Zwiesel
33
28
Bischofsreut
61
47
Lam
39
31
Buchenau
79
58
Waldhäuser
50
41
Viechtach
32
29
Finsterau
80
71
Philippsreut
60
48
Klingenbrunn/Bhf.
72
55
Kirchberg
65
52
Duschlberg
81
59
Klafferstrass
52
39
Wegscheid
66
49
Untergriesbach-Glotzing
58
44
Untergriesbach-Schaibing
56
44
Sonnen
41
30
Grainet
48
40
Haidmühle
106
81
Waldkirchen-Richardsreut
50
39
Waldkirchen-Reutmühle
37
 
Passau-Maierhof
70
69
Eging-Rohrbachholz
61
59
Tittling
76
67
Büchlberg
67
63
St. Oswald-Riedlhütte
42
37
Röhrnbach
58
54
Regen
69
64
Schönberg
58
51
Schöfweg
56
44
Daxstein
87
61
Entschenreuth
54
47
Lalling
79
70
Taiding
46
41
Unterfrohnstetten
33
29
Metten
28
27
Grafling
33
26
St. Englmar
40
29
Bogen
11
12
Wiesenfelden
48
47
Steinach
29
30

Hier wurde nirgends der Mittelwert erreicht, an der mittleren Donau, im Westen und im Böhmerwald regnete es sehr wenig: die 11 mm in Bogen sind zusammen mit 1983 sogar Rekord (ab 1912). Haidmühle dagegen hatte am 6.7. einen Starkregen mit 56,8 mm (davon in einer Stunde 11 – 12 h 33,2 mm), der auch Buchenau 44,5 mm bescherte. Dagegen hatte das dazwischen liegende Waldhäuser insgesamt nur 50 mm.

Anschließend gebe ich einen kurzen Rückblick auf besonders ergiebige Tagesmengen an einzelnen Julitagen:

Ort
Wert in mm
Tag
Kübelberg/RLP
75,0
4.7.
Bergtheim
87,0
5.7.
Greding
84,2
 
Berching
78,9
 
Feuchtwangen-Heilbronn
70,1
 
Ruhpolding-Seehaus
87,4
6.7.
Grassau
82,1
 
Maria Eck
74,4
 
Aschau-Stein
74,3
 
Passow
76,3
11.7.
Kühlsheim
97,7
15.7.
Suhl-Heidersbach
82,0
21.7.
Arberg
83,5
 
Großberghofen/DAH
93,3
 

An einzelnen Orten im Norden schien die Sonne so anhaltend, dass es zu neuen Stationsrekorden kam:

Sonnenscheinstunden im Juli 2018 (Std.)
Ort
2018
alter Rekord
Jahr
Beob. seit
Kiel
354
343
1994
1889
Magdeburg
351
351
2006
1914
Braunschweig
346
345
1994/2006
1925
Bremen
341
334
2006
1913

Von Kiel folgt die gesamte Julireihe in einer Grafik:

Für Genf meldet Meteo Schweiz einen Rekord seit 1897 (335 Stunden).

Die Nordwesthälfte der Bundesrepublik erhielt generell den wenigsten Niederschlag, daneben noch eher punktuell Gegenden in Sachsen-Anhalt und Thüringen. An einigen langen Reihen konnte der trockenste Juli seit Messbeginn festgestellt werden:

     

 

Regenmenge im Juli 2018 (mm)
Ort
2018
alter Rekord
Jahr
Beob. seit
Helgoland
2,2
6
1885
1874
Emden
2,5
10
1983
1850
List/Sylt
4,0
11
1904
1891
Norderney
3,7
8
1995
1881
Cuxhaven
5,2
4,8
1983
1891
Artern
9,7
11
1971
1890
Köln-Stammheim
7,2
15
1869
1848
Bocholt-Liedern
3,4
13
1921
1891
Krefeld/Tönisvorst
5,8
13
1869
1848
Kleve
5,1
10
1869
1848
Bogen-Pfelling/SR
11
11
1983
1912

 

Von Emden und Kleve sind Grafiken angefertigt worden:

Auch Frankreich wurde in der Nordosthälfte von einer fortgesetzten Dürre geplagt, wie die Prozent-Zahlen von Météo France zeigen:

Aber auch in Oberösterreich regnete es in den ersten sieben Monaten dieses Jahres so wenig wie noch nie: in Linz/Stadt waren das anstatt der normalen 526 mm nur 262 (entspricht nur 50 %); die Beobachtungen setzen 1852 ein:

Zum ersten Mal seit über 160 Jahren sind dort deutlich weniger als 300 mm gefallen.

Daraufhin habe ich auch die Niederschlagsdaten von Daxstein für April bis Juli untersucht. Hier gab es aber schon eine Reihe trockenerer Jahre (2018 361 mm):

Dagegen ist die außerordentlich rege Gewittertätigkeit hervorzuheben. Auch im Juli gab es davon 14 Tage, so dass nunmehr (bis 31.7.) schon 39 solcher Tage gezählt wurden:

Nur im Gewitterrekordjahr 1910 waren es genauso viele wie heuer.

Wenig befriedigend zeigt sich die Zuverlässigkeit der automatisch betriebenen Stationen – die Hoffnung, dass diese Stationen schon irgendwie funktionieren, trügt jeden Monat mehr: Ebersberg fiel über Wochen aus, so dass keine vernünftigen Juliwerte vorliegen, die Daten der Stationen des Bayerischen Landesamts für Landwirtschaft sind seit über einem Jahr nur ein löchriger Flickenteppich, vom Gr. Arber fehlen schon wieder Niederschlagsdaten, seit Ende Juli setzen die Sonnenscheinregistrierungen von Metten aus und so weiter und so fort … Vernünftige Jahresauswertungen sind da kaum mehr möglich.

Eine erfreuliche Internetfrucht möchte ich aber doch loswerden:

Der tschechische hydrographische Dienst hat eine mustergültige Seite seiner Messungen im Netz:

http://hydro.chmi.cz/hpps/hpps_act_rain.php?day_offset=0&fkraj=&fucpov=&fpob=&ordrstr=nvys%20desc&startpos=400&recnum=50&lng=ENG

Das sieht dann so aus:

Fast jede Station kann dann noch näher untersucht werden, ich habe natürlich die des Prager Klementinums gewählt (mit Beobachtungen seit 1775):

(abgerufen 9.8.2018 gegen 21 Uhr)

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Manuskriptabschluss 10. August 2018

 

 

Witterungsbericht August und Sommer 2018

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

In einer unfassbaren Kontinuität setzte sich das seit April anhaltende Witterungsgepräge „warm/heiß, sonnig und meist trocken“ unvermindert fort.

Im Bayerwald ging es aber zumeist weniger heiß als 2015 und 2003 her. Die Mitteltemperatur gipfelte in Lalling mit 20,9°C, Haidmühle hatte 16,5, der Große Arber 15,1°C. Die Sonnenscheinausbeute war mit am höchsten im ganzen Bundesgebiet: Fürstenzell 295, Lalling 308,5 Stunden (aber auch Weihenstephan hatte 295 Stunden). Es war praktisch überall mehr oder weniger zu trocken, wobei 2015 und 2003 insgesamt weniger Regen im August hatte:

Waldhäuser mit 92 mm an der Spitze, dann Tittling 89, Röhrnbach 87 und Grafling 86 mm. Am trockensten Lam mit 23, dann Weiding 32, Prackenbach 33 und Miltach 35 mm (alle im nördl. Bayerischen Wald).

In Daxstein war der heurige Sommer der zweitwärmste seit 1891 nach 2003 (18,6°, 2018 18,4 und 2015 17,9°C). Beim Niederschlag gab es 257 mm (=68 % des Mittels). Auffällig waren die 6 tropischen Nächte im August 2018, 2003 waren es nur zwei gewesen.

Im Raum München erreichte die Mitteltemperatur bis zu 22,1°C an der Theresienstraße, das Gut Laufzorn mitten in den Wäldern südlich von München maß 19,5°C. Die Sonne schien bis 295 Stunden in Weihenstephan (Flughafen nahebei mit 294 Stunden). An Regen kam doch mehr vom Himmel: ab Stadtmitte Münchens und weiter südlich sowie nach Westen wurde die 100-mm-Marke überschritten: Erdweg 122, München-Giesing 125, 135 mm in Wessobrunn, Bad Aibling und Kloster Schäftlarn als Spitzenwert. Im Nordhalbraum war es – gemäß der langjährigen Mittelwerte - am trockensten: München-ÖBZ 65, Unterschleißheim 63 und Schweitenkirchen 58 mm.

Fast überall in Deutschland lag die Mitteltemperatur zwar oft nahe den bisherigen Rekorden (von 2003 oder 2015), wirklich überboten wurden sie nur in:

Leipzig-Schkeuditz (mit 21,6°C) und in Chemnitz mit 20,9°C.

Was die Regenmenge angeht, wurden die bisherigen Minima an einigen Stationen von Franken bis hinüber nach Brandenburg zum Teil deutlich unterschritten:

 

RR-Rekorde im August 2018
Ort
Aug. 2018
alt
seit
Bamberg
6,1 mm
9,3
1879
Berlin-Dahlem
4,8
6,9
1848
Berlin-Tempelhof
6,5
10
1928
Doberlug-Kirchhain
7,4
8
1891
Erlangen
2,0
5
1879
Halle/Saale
4,9
10
1851
Leipzig-Schkeuditz
13
13
1898
Nürnberg
2,5
8
1879

Von Berlin und Nürnberg wurden die Grafiken angefertigt:

Im gesamten Sommer gab es eine Reihe von Stationen, die nicht einmal 50 mm zusammen bekamen:

Artern
30 mm
Eschwege
38
Wittenberg
40
Bad Hersfeld
47
Gardelegen
48

Das sind Rekordwerte an diesen Orten. Von Leipzig/Süd lassen sich Sommerwerte seit 1862 darstellen: 2018 hat hier 65, der nächsttrockene Sommer ist 1904 mit 68 mm – auch hier die entsprechende Grafik:

Im Gegenzug gab es an einzelnen Augusttagen enorme Tagesmengen, die aber die flächenhafte Trockenheit nicht minderten:

Am 1.8. in Genthin 105,1 mm und am 7.8. in Amöneburg-Rüdigheim 118,5 mm.

Auch in der Schweiz trat an einigen Messstationen eine Sommer-Jahrhundertdürre auf (z.B. in Weesen, Starkenbach, Klosters und Altstätten.

Dafür gab es in weiten Teilen Korsikas einen selten feuchten Sommer mit 252 mm in Sartène (normal 42 mm), 249 in Corte und 254 mm in Renno. Météo France zeigte folgende Niederschlagsübersicht:

Aber ganz kurz wurde 2018 auch deutlich, dass doch auch einmal der Schnee in den österreichischen Alpen wieder weit heruntergekommen ist:

Am 26.8. lagen in Badgastein auf 1100 mm Höhe 4 cm Schnee und auch in St. Jakob/Defereggen war es weiß. Anschließend sanken die Temperaturen bisweilen sogar in den Frostbereich:

St. Jakob im Def.
T
1383
-0,9
Mariapfarr
S
1151
-0,6
St. Michael im Lungau
S
1052
-0,3
Schmirn
T
1464
0,1

Das kommt gelegentlich gegen Ende August schon einmal vor.

Auch in Frankreich war es örtlich sehr kalt (am 26.8.):

Mourmelon - 0,9°C

Reims 0,9°

Pontoise 3,1°

Auch Zwiesel erreichte 1,5°C (am 27.8.), allerdings war es in früheren Jahren im August noch deutlich kälter:

Metten 1,1° am 31.8.1947

Zwieselberg -0,5° am 29.8.1978

Und ich selbst erinnere mich an den Morgen des 31.8.1989, als am Auto in Markt Schwaben etwas Eis von den Scheiben zu entfernen war…

Manuskriptabschluss 16.9.2018

Wolfgang Webersinke

 

 

Witterungsbericht September 2018

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

 

Witterungsbericht Oktober 2018

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

 

Witterungsbericht November 2018

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

 

Witterungsbericht Dezember 2018

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

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