Wetterstation Zenting-Daxstein

 

 

Witterungsbericht Juli 2018

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

In der Folge der anhaltenden Blockierung der Westwinddrift verlief der Juli 2018 in weiten Teilen West-, Mittel- und Nordeuropas warm, trocken, sonnig, garniert mit diversen Unwettereinschüben.

Beginnend im Nahraum des Bayerischen Waldes und der Region um München dauerte es mit der wirklichen Sommerhitze bis zum Monatsende; erst jetzt übersprangen die Höchstwerte flächenhaft und konstant die 30-Grad-Marke. Lange Zeit dominierten eher kühlere Nächte, wie die sehr tiefen Temperaturen an den bekannten Kältelöchern zu Monatsbeginn zeigen:

Ort
Temp.minimum
Tag
Zwiesel
6,6°C
1.7.
Puchberg
3,8
1.7.
Mariazell
3,5
1.7.
Deutschneudorf
1,4
1.7.
Marienberg-Kühnhaide
- 3,3
1.7.
Laufzorn
5,6
2.7.
Zwiesel
5,0
2.7.
Klausen-Leopoldsdorf
3,3
2.7.
Stift Zwettl
2,3
2.7.
Marienberg-Kühnhaide
- 3,9
2.7.

Bei den Mitteltemperaturen gab es in oben bezeichneten Räumen keine besonders hohen Werte. Wohl aber war der Zeitraum von April bis Juli einschließlich so warm wie nie zuvor (16,0°C=+ 2,4 K), was die Temperaturauswertung von Daxstein widerspiegelt:

Interessant war die Niederschlagsverteilung, die praktisch ausschließlich von gewittrigen Regenfällen geprägt war, d.h. die Ausbeute an Regen war auf kleinstem Raum extrem unterschiedlich. Dies zeige ich an zwei Tabellen, zuerst die Mengen im Großraum München:

Ort
RR-Menge
% von
 
Juli 2018, mm
1981-2010
Unterschleißheim
91
 
Oberschleißheim
111
102
München-Untermenzing
116
96
München-Harthof
118
95
München-Giesing
109
 
München/DWD, Wetteramt
92
75
München-Englschalking
98
 
München/Dt. Museum
84
 
München-Ramersdorf
75
 
München-Kirchtrudering
154
113
Grünwald
87
 
Laufzorn
94
62
Deisenhofen
83
57
Pliening/EBE
123
 
Neufinsing
113
93
Unterföhring
114
90
Frauenneuharting/EBE
65
45
Oberpframmern
86
51
Krailling
129
96
Gilching
105
83
Starnberg
88
62
Attenkam
87
54
Geretsried
75
44

Im nördlichen Halbraum fiel deutlich mehr Regen als im Süden: nördlich wurde sogar punktuell mehr Regen als im 30-jährigen Mittel gemessen, im Süden durchweg viel weniger als die Norm. Besonders auffällig die großen Unterschiede auf der kurzen Distanz von nur 5 km Luftlinie: 154 mm Niederschlag in Kirchtrudering (nahe am früheren Flughafen Riem) und nur 75 mm in Ramersdorf (etwa da, wo die Autobahn nach Salzburg beginnt).

Nun zum Ergebnis im Bayerwald:

Ort
RR-Menge
% von
 
Juli 2018, mm
1981-2010
Zwiesel
33
28
Bischofsreut
61
47
Lam
39
31
Buchenau
79
58
Waldhäuser
50
41
Viechtach
32
29
Finsterau
80
71
Philippsreut
60
48
Klingenbrunn/Bhf.
72
55
Kirchberg
65
52
Duschlberg
81
59
Klafferstrass
52
39
Wegscheid
66
49
Untergriesbach-Glotzing
58
44
Untergriesbach-Schaibing
56
44
Sonnen
41
30
Grainet
48
40
Haidmühle
106
81
Waldkirchen-Richardsreut
50
39
Waldkirchen-Reutmühle
37
 
Passau-Maierhof
70
69
Eging-Rohrbachholz
61
59
Tittling
76
67
Büchlberg
67
63
St. Oswald-Riedlhütte
42
37
Röhrnbach
58
54
Regen
69
64
Schönberg
58
51
Schöfweg
56
44
Daxstein
87
61
Entschenreuth
54
47
Lalling
79
70
Taiding
46
41
Unterfrohnstetten
33
29
Metten
28
27
Grafling
33
26
St. Englmar
40
29
Bogen
11
12
Wiesenfelden
48
47
Steinach
29
30

Hier wurde nirgends der Mittelwert erreicht, an der mittleren Donau, im Westen und im Böhmerwald regnete es sehr wenig: die 11 mm in Bogen sind zusammen mit 1983 sogar Rekord (ab 1912). Haidmühle dagegen hatte am 6.7. einen Starkregen mit 56,8 mm (davon in einer Stunde 11 – 12 h 33,2 mm), der auch Buchenau 44,5 mm bescherte. Dagegen hatte das dazwischen liegende Waldhäuser insgesamt nur 50 mm.

Anschließend gebe ich einen kurzen Rückblick auf besonders ergiebige Tagesmengen an einzelnen Julitagen:

Ort
Wert in mm
Tag
Kübelberg/RLP
75,0
4.7.
Bergtheim
87,0
5.7.
Greding
84,2
 
Berching
78,9
 
Feuchtwangen-Heilbronn
70,1
 
Ruhpolding-Seehaus
87,4
6.7.
Grassau
82,1
 
Maria Eck
74,4
 
Aschau-Stein
74,3
 
Passow
76,3
11.7.
Kühlsheim
97,7
15.7.
Suhl-Heidersbach
82,0
21.7.
Arberg
83,5
 
Großberghofen/DAH
93,3
 

An einzelnen Orten im Norden schien die Sonne so anhaltend, dass es zu neuen Stationsrekorden kam:

Sonnenscheinstunden im Juli 2018 (Std.)
Ort
2018
alter Rekord
Jahr
Beob. seit
Kiel
354
343
1994
1889
Magdeburg
351
351
2006
1914
Braunschweig
346
345
1994/2006
1925
Bremen
341
334
2006
1913

Von Kiel folgt die gesamte Julireihe in einer Grafik:

Für Genf meldet Meteo Schweiz einen Rekord seit 1897 (335 Stunden).

Die Nordwesthälfte der Bundesrepublik erhielt generell den wenigsten Niederschlag, daneben noch eher punktuell Gegenden in Sachsen-Anhalt und Thüringen. An einigen langen Reihen konnte der trockenste Juli seit Messbeginn festgestellt werden:

     

 

Regenmenge im Juli 2018 (mm)
Ort
2018
alter Rekord
Jahr
Beob. seit
Helgoland
2,2
6
1885
1874
Emden
2,5
10
1983
1850
List/Sylt
4,0
11
1904
1891
Norderney
3,7
8
1995
1881
Cuxhaven
5,2
4,8
1983
1891
Artern
9,7
11
1971
1890
Köln-Stammheim
7,2
15
1869
1848
Bocholt-Liedern
3,4
13
1921
1891
Krefeld/Tönisvorst
5,8
13
1869
1848
Kleve
5,1
10
1869
1848
Bogen-Pfelling/SR
11
11
1983
1912

 

Von Emden und Kleve sind Grafiken angefertigt worden:

Auch Frankreich wurde in der Nordosthälfte von einer fortgesetzten Dürre geplagt, wie die Prozent-Zahlen von Météo France zeigen:

Aber auch in Oberösterreich regnete es in den ersten sieben Monaten dieses Jahres so wenig wie noch nie: in Linz/Stadt waren das anstatt der normalen 526 mm nur 262 (entspricht nur 50 %); die Beobachtungen setzen 1852 ein:

Zum ersten Mal seit über 160 Jahren sind dort deutlich weniger als 300 mm gefallen.

Daraufhin habe ich auch die Niederschlagsdaten von Daxstein für April bis Juli untersucht. Hier gab es aber schon eine Reihe trockenerer Jahre (2018 361 mm):

Dagegen ist die außerordentlich rege Gewittertätigkeit hervorzuheben. Auch im Juli gab es davon 14 Tage, so dass nunmehr (bis 31.7.) schon 39 solcher Tage gezählt wurden:

Nur im Gewitterrekordjahr 1910 waren es genauso viele wie heuer.

Wenig befriedigend zeigt sich die Zuverlässigkeit der automatisch betriebenen Stationen – die Hoffnung, dass diese Stationen schon irgendwie funktionieren, trügt jeden Monat mehr: Ebersberg fiel über Wochen aus, so dass keine vernünftigen Juliwerte vorliegen, die Daten der Stationen des Bayerischen Landesamts für Landwirtschaft sind seit über einem Jahr nur ein löchriger Flickenteppich, vom Gr. Arber fehlen schon wieder Niederschlagsdaten, seit Ende Juli setzen die Sonnenscheinregistrierungen von Metten aus und so weiter und so fort … Vernünftige Jahresauswertungen sind da kaum mehr möglich.

Eine erfreuliche Internetfrucht möchte ich aber doch loswerden:

Der tschechische hydrographische Dienst hat eine mustergültige Seite seiner Messungen im Netz:

http://hydro.chmi.cz/hpps/hpps_act_rain.php?day_offset=0&fkraj=&fucpov=&fpob=&ordrstr=nvys%20desc&startpos=400&recnum=50&lng=ENG

Das sieht dann so aus:

Fast jede Station kann dann noch näher untersucht werden, ich habe natürlich die des Prager Klementinums gewählt (mit Beobachtungen seit 1775):

(abgerufen 9.8.2018 gegen 21 Uhr)

Wolfgang Webersinke, Daxstein, Manuskriptabschluss 10. August 2018

 

 

Witterungsbericht August und Sommer 2018

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

In einer unfassbaren Kontinuität setzte sich das seit April anhaltende Witterungsgepräge „warm/heiß, sonnig und meist trocken“ unvermindert fort.

Im Bayerwald ging es aber zumeist weniger heiß als 2015 und 2003 her. Die Mitteltemperatur gipfelte in Lalling mit 20,9°C, Haidmühle hatte 16,5, der Große Arber 15,1°C. Die Sonnenscheinausbeute war mit am höchsten im ganzen Bundesgebiet: Fürstenzell 295, Lalling 308,5 Stunden (aber auch Weihenstephan hatte 295 Stunden). Es war praktisch überall mehr oder weniger zu trocken, wobei 2015 und 2003 insgesamt weniger Regen im August hatte:

Waldhäuser mit 92 mm an der Spitze, dann Tittling 89, Röhrnbach 87 und Grafling 86 mm. Am trockensten Lam mit 23, dann Weiding 32, Prackenbach 33 und Miltach 35 mm (alle im nördl. Bayerischen Wald).

In Daxstein war der heurige Sommer der zweitwärmste seit 1891 nach 2003 (18,6°, 2018 18,4 und 2015 17,9°C). Beim Niederschlag gab es 257 mm (=68 % des Mittels). Auffällig waren die 6 tropischen Nächte im August 2018, 2003 waren es nur zwei gewesen.

Im Raum München erreichte die Mitteltemperatur bis zu 22,1°C an der Theresienstraße, das Gut Laufzorn mitten in den Wäldern südlich von München maß 19,5°C. Die Sonne schien bis 295 Stunden in Weihenstephan (Flughafen nahebei mit 294 Stunden). An Regen kam doch mehr vom Himmel: ab Stadtmitte Münchens und weiter südlich sowie nach Westen wurde die 100-mm-Marke überschritten: Erdweg 122, München-Giesing 125, 135 mm in Wessobrunn, Bad Aibling und Kloster Schäftlarn als Spitzenwert. Im Nordhalbraum war es – gemäß der langjährigen Mittelwerte - am trockensten: München-ÖBZ 65, Unterschleißheim 63 und Schweitenkirchen 58 mm.

Fast überall in Deutschland lag die Mitteltemperatur zwar oft nahe den bisherigen Rekorden (von 2003 oder 2015), wirklich überboten wurden sie nur in:

Leipzig-Schkeuditz (mit 21,6°C) und in Chemnitz mit 20,9°C.

Was die Regenmenge angeht, wurden die bisherigen Minima an einigen Stationen von Franken bis hinüber nach Brandenburg zum Teil deutlich unterschritten:

 

RR-Rekorde im August 2018
Ort
Aug. 2018
alt
seit
Bamberg
6,1 mm
9,3
1879
Berlin-Dahlem
4,8
6,9
1848
Berlin-Tempelhof
6,5
10
1928
Doberlug-Kirchhain
7,4
8
1891
Erlangen
2,0
5
1879
Halle/Saale
4,9
10
1851
Leipzig-Schkeuditz
13
13
1898
Nürnberg
2,5
8
1879

Von Berlin und Nürnberg wurden die Grafiken angefertigt:

Im gesamten Sommer gab es eine Reihe von Stationen, die nicht einmal 50 mm zusammen bekamen:

Artern
30 mm
Eschwege
38
Wittenberg
40
Bad Hersfeld
47
Gardelegen
48

Das sind Rekordwerte an diesen Orten. Von Leipzig/Süd lassen sich Sommerwerte seit 1862 darstellen: 2018 hat hier 65, der nächsttrockene Sommer ist 1904 mit 68 mm – auch hier die entsprechende Grafik:

Im Gegenzug gab es an einzelnen Augusttagen enorme Tagesmengen, die aber die flächenhafte Trockenheit nicht minderten:

Am 1.8. in Genthin 105,1 mm und am 7.8. in Amöneburg-Rüdigheim 118,5 mm.

Auch in der Schweiz trat an einigen Messstationen eine Sommer-Jahrhundertdürre auf (z.B. in Weesen, Starkenbach, Klosters und Altstätten.

Dafür gab es in weiten Teilen Korsikas einen selten feuchten Sommer mit 252 mm in Sartène (normal 42 mm), 249 in Corte und 254 mm in Renno. Météo France zeigte folgende Niederschlagsübersicht:

Aber ganz kurz wurde 2018 auch deutlich, dass doch auch einmal der Schnee in den österreichischen Alpen wieder weit heruntergekommen ist:

Am 26.8. lagen in Badgastein auf 1100 mm Höhe 4 cm Schnee und auch in St. Jakob/Defereggen war es weiß. Anschließend sanken die Temperaturen bisweilen sogar in den Frostbereich:

St. Jakob im Def.
T
1383
-0,9
Mariapfarr
S
1151
-0,6
St. Michael im Lungau
S
1052
-0,3
Schmirn
T
1464
0,1

Das kommt gelegentlich gegen Ende August schon einmal vor.

Auch in Frankreich war es örtlich sehr kalt (am 26.8.):

Mourmelon - 0,9°C

Reims 0,9°

Pontoise 3,1°

Auch Zwiesel erreichte 1,5°C (am 27.8.), allerdings war es in früheren Jahren im August noch deutlich kälter:

Metten 1,1° am 31.8.1947

Zwieselberg -0,5° am 29.8.1978

Und ich selbst erinnere mich an den Morgen des 31.8.1989, als am Auto in Markt Schwaben etwas Eis von den Scheiben zu entfernen war…

Manuskriptabschluss 16.9.2018

Wolfgang Webersinke

 

 

 

Witterungsbericht September 2018

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

 

In bald ewiger Gleichheit war auch der September 2018 warm, oft zu trocken und sonnenscheinreich, aber wenigstens mit einem kühleren Zwischenspiel in der dritten Dekade, das sofort als Rekordereignis deklariert wurde, was aber natürlich gar nicht stimmte.

Im Bayerischen Wald war es im Schnitt 2 K zu warm gegenüber dem Mittel 1981 bis 2010, es wurden bis zu 8 Sommertage erreicht (Lalling). Ab dem 26.9. kam es zu den ersten Nachtfrösten in 2 m Höhe, aber nur in den ohnehin dafür anfälligen Tallagen: Haidmühle maß am 26. - 7,4, Kirchberg – 4,1°C bei in Haidmühle insgesamt 7, Kirchberg 4 Frosttagen. Nur 5 Tage vorher überschritt die Temperatur vielerorts noch einmal die 25-Grad-Marke. Die Sonne blieb generös (229 Stunden in Lalling).

Beim Niederschlag lagen Gebiete mit Defiziten inselartig verteilt über dem Bayerwald:

 

Lalling                          60 mm (69 %)

Daxstein                       73        (73 %)

Neukirchen/Hl.Blut        59        (75 %)

Schöfweg                     68        (80 %)

 

Größere Areale waren deutlich überdurchschnittlich (dort gab/gibt es eine Steinpilzschwemme):

 

Finsterau                      126 mm (122 %)

Wegscheid                   124         (133 %)

Regen                          109         (142 %)

U.griesbach-Glotzing     125         (145 %)

Passau-Maierhof           120         (179 %)

 

Am 3.9. fielen in Finsterau 69,1 mm, das ist für den September immerhin der zweithöchste Tageswert seit Beobachtungsbeginn 1909 (Rekord: 80,5 mm 15.9.1998).

 

Für den Großraum München waren die Verhältnisse nicht fundamental anders, außer dass es insgesamt mehr regnete als im Bayerwald:
 

RR September 2018
Flughafen Erd.Moos
71 mm
Neufahrn
80
Unterschleißheim
98
ÖBZ/Englschalking
98
München-Harthof
110          135 %
Unterföhring
111          138 %
Oberschleißheim
115          153 %
München/Wetteramt
118
München-Kirchtrudering
118,5       132 %
München-Untermenzing
122
Deisenhofen
127          141 %
Forstinning
128          168 %
Laufzorn
132
München/Dt. Museum
133
Grünwald
134
München-Giesing
138

 

Die höchsten Mengen kamen damit aus dem Zentrum und dem südlichen Umland von München. Unter 100 mm blieben es im nördlichen Umland (Fahrenzhausen 69, Schrobenhausen 60, Scheyern 58 mm).

Nun zu den Nachtfrösten ab dem 26.9.2018. Dazu eine kleine Tabelle mit den Tiefstwerten von heuer und den wirklichen Septemberrekorden:


 

Tiefsttemperaturen September 2018 in °C
Rekord
Tag
 
 
 
 
Köln/Bonn/Flgf.
- 0,3
- 1,3 
16.09.1971
Göttingen
- 1,2
- 2,4
18.09.1959
Plauen
- 1,5
- 2,9
19./20.9.1904
Bamberg
- 2,3
- 2,5
16.09.1889
Nürnberg/Flgf.
- 0,6
- 3,5
29.09.1939
Weiden
- 1,4
- 3,1
24.09.1948
Zwiesel
- 2,8
zu kurze Reihe
Flughafen München
- 1,2
- 3,9
27.09.1877
Oberstdorf
- 1,9
- 7,0
26.09.1906

 

Nur in Bamberg sind wir in die Nähe des Allzeitrekords gekommen, sonst bei Weitem nicht. Allerdings sind 4 Frosttage in Bamberg (je 3 in Zwiesel und im Erdinger Moos) schon einer Erwähnung wert.

Auch am Semmering in Niederösterreich hatte es am 26.9.2018 – 2,7°C gegeben, bislang war 1939 mit – 2,2° das Maß der Dinge.

Bezeichnend war erneut der vorherrschend hohe Luftdruck, wie auch es die entsprechende Monatskarte von Météo France zeigt:

 

 

Aus der Schweiz wurden für den 26.9. (genau der Morgen mit den tiefen Temperaturen) extrem hohe Barometerstände gemeldet:

In Sion erreichte der Stationsdruck 977.8 hPa, in Genf 986.6 hPa und in Neuenburg 978.2 hPa. Der bisherige September-Höchstwert betrug in Sion 975.3 hPa (28.9.2016), in Genf 983.2 hPa (28.9.2016) und in Neuenburg 975.4 hPa (30.9.1945).

Für Sion/Sitten (18,7°C) wurde 2018 der wärmste September seit mindestens 1864.

Auf dem Jungfraujoch konnte am 11.9.2018 mit 10,8°C der absolute September-Höchstwert gemessen werden.

Auch aus Frankreich kamen neue Monatsrekorde der Temperatur:

 

-Bourg-St-Maurice                      18,6°C

-Socoa/Pyrénees-Atlant. 21,2

-Toulouse                                  21,7

-Ajaccio                         22,5

-Nice                                         23,1

 

Dazu noch Sommertage in so großer Zahl wie nie im September: 20 in Bourg-Saint-Maurice, 21 in Ambérieu, 26 in Toulouse und 29 in Nîmes.

Auf dem 2880 m hohen Pic-du-Midi in den Pyrenäen hatte es vom 14.6. bis zum 1.10.2018 keinen einzigen Frosttag gegeben (108 Tage). Das ist in der Länge seit 1878 (Beobachtungsbeginn) noch nie vorgekommen.

Nachfolgend ein Bild von dort oben:

 

Über etwa drei Vierteln des französischen Mutterlands fielen weniger als 25 % des normalen Septemberniederschlags:

Marignane im Süden hatte gar keinen Regen, Béziers nur 0,2 mm, Cap Ferret 2,9 und Générargues nur 3 mm – allesamt Rekordminima.

Zurück nach Deutschland mit einer aktuellen Auflistung der Sommertage und der heißen Tage dieses denkwürdigen Jahres 2018 bis einschließlich 17.10.:

 

Zahl der Sommertage und heißen Tage 2018 bis 17.10.2018
Sommertage 
Heiße Tage
2003
München/Stadt
87
16
88/31
München/Flughafen
74
14
82/27
Nürnberg/Flughafen
99
31
85/30
Regensburg
105
41
91/41
Rosenheim
94
20
85/26
Entschenreuth
75
14
75/26
Simbach/Inn
91
25
90/33
Straubing
88
24
87/26
Würzburg
105
36
90/31
Aldersbach
100
35
98/31
Bamberg
96
34
88/31
Grainet-Rehberg
53
5
57/10
Kahl/Main
110
40
97/28
Kitzingen
114
51
100/46
Metten
94
31
92/28
Mannheim
109
42
103/42
Müllheim
107
33
Stuttgart-Echterdingen
85
22
90/23
Baden-Baden
96
22
Berlin-Dahlem
85
28
64/20
Berlin-Tempelhof
88
31
Cottbus
98
32
Lindenberg
81
28
Potsdam
96
33
Bremen
78
22
48/9
Hamburg-Fuhlsbüttel
64
19
Bad Nauheim
105
43
Darmstadt
106
51
Frankfurt/Stadt
108
42
Frankfurt/Flughafen
108
43
96/31
Geisenheim
103
32
Offenbach
106
40
Göttingen
82
28
Hannover/Flughafen
78
22
Bochum
81
17
Duisburg
92
27
Kleve
84
15
Köln-Stammheim
99
27
Greven
83
20
Tönisvorst
96
22
Bad Dürkheim
103
35
Bad Kreuznach
108
38
Trier-Zewen
96
24
Worms
103
32
Perl-Nennig
91
24
Dresden/Flughafen
77
28
Dresden-Hosterwitz
88
33
Dresden-Strehlen
94
39
Görlitz
79
26
Leipzig-Schkeuditz
85
29
Bernburg
113
42
66/28
Gardelegen
92
33
Wittenberg
96
33
Magdeburg
94
29
Artern
91
37
Jena
102
37
78/32
 

 

Nur im äußersten Süden reichte es 2018 nicht zum Rekord, z.B. um München und im Bayerischen Wald. Ansonsten und vor allem nach Norden zu kamen unglaubliche Sommertagszahlen zustande. Kitzingen scheint mit 114 den Vogel abgeschossen zu haben, dicht gefolgt von Bernburg/Saale mit 113.

Wolfgang Webersinke

Manuskriptabschluss: 17.10.2018

Quellen: Monatsberichte von Météo France, der ZAMG, des DWD u.a. mehr

 

 

Witterungsbericht Oktober 2018

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

Nichts Neues von der Witterungsfront: zu warm, zu sonnig, zu trocken.

Im Bayerischen Wald reichte die Mitteltemperatur von 11,6°C in Lalling bis 6,9°C auf dem Gr. Arber. Das sind durchweg gut 2 K wärmer als der Durchschnitt 1981 bis 2010. Nur an der Donau gab es zwei Sommertage (Donau), Frost blieb in den warmen Hanglagen (Daxstein) aus, sonst nur in den bekannten Frostlöchern (Zwiesel 4, Kirchberg 7, Haidmühle 17 Tage). Die Sonne schien bis zu 181 Stunden (Lalling). Beim Niederschlag gab es zwar Defizite, aber nicht so schlimm wie andernorts in Deutschland:

Einerseits 35 mm und weniger:

Bogen                          35 mm

Röhrnbach                    35

Pemfling                       34

Büchlberg                     29

Dann auch über 60 mm: 

Klingenbrunn/Bhf.          62,5

St. Englmar                  63

Grafling             65

Unterfrohnstetten           67

Duschlberg                   70

Im Raum München reichte die Mitteltemperatur von 12,2°C an der Münchner Theresienstr. (Neuhausen 11,5°) bis zu 9,9°C in Laufzorn. Sommertage waren häufiger an bis zu 3 Tagen (Theresienstr.) zu finden. Frost gab es nur außerhalb des Stadtzentrums an bis zu 4 Tagen (Holzkirchen). Die Sonne zeigte sich an bis zu 187 Stunden (Attenkam). Der Niederschlag war ähnlich wie im Bayerwald verteilt:

Unter 40 mm:

Scheyern                      39

Schrobenhausen           38

Unterföhring                  36

Dorfen                          32

München/Englsch.        31

Bis über 50 mm:

Obersöchering   51

Egling                          54

Weniger erfreulich ist es, dass eine Reihe von Stationen wieder Lücken aufweisen, so dass am Ende des Jahres doch bei nicht wenigen keine verlässlichen Jahreswerte gebildet werden können (u.a. Finsing, Fahrenzhausen).

                        Der Zeitraum April bis einschließlich Oktober ist in allen alten Datenreihen (z.B. Hohenpeißenberg seit 1781) der wärmste seit Messbeginn (dort z.B. 14,6°C, alter Höchstwert 13,5° im Jahr 1947). Eine geplante Grafik konnte nicht realisiert werden, da Excel mir nur Schrott produzierte, indem er auf der y-Achse statt der tatsächlichen Werte immer nur Zahlenwerte von 0,0 bis 1,0 anzeigt…).

Weiter im Westen kam es zum Monatsende (28.-30.10.) zu bemerkenswert kräftigen Schneefällen:

Liart/Ardennen              12 cm

Saint-Etienne                17

Aurillac                         9

Puy-en-Velay                12

Segur/Aveyron              17

Château-Chinon 18

Arosa                           72

Disentis                        55

Für Saint-Etienne und Arosa waren das die größten je gemessenen Oktoberschneehöhen.

Während der der Raum nördlich der Alpen weiterhin viel zu trocken blieb (Worms/DWD 3,6 und Worms-Leiselheim 3,4 mm), gab es südlich der Alpen durch eine Süd-Staulage extreme Regenfälle:

In Segl-Maria/CH fiel mit 225 mm die höchste Dreitagessumme seit Messbeginn 1864.

Savognin/CH registrierte eine Dreitagessumme von 213 mm. Das ist nur unbedeutend weniger als der Rekordwert von 214 mm vom November 2002.

In Dellach im Drautal kamen vom 27. bis 30. Oktober 345 Millimeter Regen zusammen.

In Kötschach-Mauthen (K, 722 m) fielen von Samstag 27.10.2018 7 Uhr bis 30.10.2018 7 Uhr 441 mm Regen. Der bisherige Rekord lag bei 373 mm binnen 72 Stunden.

Le Luc in der Provence hatte im Oktober satte 553 mm Niederschlag!

Die Niederschlagskarte Frankreichs für den Oktober zeigt die riesigen Unterschiede beim Niederschlag überdeutlich:



Zeitgleich erreichte der Föhnorkan beachtliche Werte:

Gütsch (2283 m ü.M.) oberhalb Andermatt 213 km/h

Piz Martegnas (2670 m ü.M.) bei Savognin 181 km/h 

Gornergrat (3129 m ü.M.) bei Zermatt 168 km/h 

Elm im Glarnerland 130 km/h

 

Während um die Monatsmitte bis zu 7 Sommertage in Deutschland (und anderswo) den Sommer noch einmal ahnen ließen (7 Sommertage in Düsseldorf, 6 in Wahn, Châteauroux am 14.10. 29,5°C), registrierte man in Südfrankreich in La Souterraine als Tagesmaximum am 29. gerade mal 3,2°C.

Übrigens gab es in Paris-Montsouris dieses Jahr 98 Sommertage, das sind 11 mehr als im bisherigen Rekordjahr 1947.

Die Niederschlagskarte der Modellzentrale spiegelt die Trockenheit des Oktober 2018 wider:


 

http://www.superzelle.de/radar2/rad_sf_large_month_curr.png

 


Die große Wärme hielt auch in den ersten zwei Wochen des November an, wie die Mitteltemperatur von Bourg-St-Maurice in Frankreich zeigt:           Tm 11,6 (+ 5 K!).

Bei den Maxima wurden in Frankreich sogar Rekordwerte erreicht:

Montmélian/Savoie:                   24,3°C

Albertville/Savoie                       23,4

Dôle/Jura                                  21,4

 

Ein Bild von MeteoSchweiz vom 13.10. soll diese kurze Monatsbeschreibung abschließen:


 

 

 

Wolfgang Webersinke, 15.11.2018

 

 

 

Witterungsbericht November 2018

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

Was soll man sagen? Der November war zu mild, zu sonnig und teilweise deutlich zu trocken. 2018 ist überall in Mitteleuropa auf dem reellen Wege zum wärmsten aller Jahre zu werden.

Im Bayerischen Wald gilt für die überdurchschnittlichen Temperaturen, den Sonnenschein und den Niederschlag das oben Gesagte. Ein paar Sonnenscheinstunden zeigen das beispielhaft:

Entschenreuth              92   Std.

Lalling                          103 

Haidmühle                    107

Waldhäuser                  132

Gr. Arber                      149

Vom maximalen Sonnenschein des November 2011 waren wir aber weit entfernt (z.B. Waldhäuser 181 Stunden).

Beim Niederschlag, der ab dem 18.11. häufig als Schneeregen oder Schnee fiel, waren es teilweise weniger als 20 mm (Weiding/Kr. Cham 15, Viechtach 18, St. Oswald und Stallwang 19, Röhrnbach und Waldkirchen je 20 mm), im Höchstfall über 40 mm: Wegscheid 42, Schöfweg 43 und Duschlberg 50 mm. 

An bis zu 10 Tagen konnte sich bereits eine Schneedecke bilden, die größte Höhe am 27.11. hatte diesmal Schöfweg mit 20 cm (nicht 28 cm, wie der DWD fälschlicherweise meldete).

Im Großraum München war alles ganz ähnlich gelagert (mild, sonnig, zu trocken). Beim Niederschlag ebenfalls die Minima um die 20 mm (Andechs 19, Schäftlarn 21 und Feldkirchen-Westerham 22 mm), dagegen die Höchstsummen nicht über 40 mm (Neufahrn 37 mm). Auch hier an bis zu 6 Tagen eine geschlossene Schneedecke (erster Schneefall in München am 18.11.) – die automatische Messung am Wetteramt ergab lediglich einen einzigen Tag mit 2 cm; kaum erwähnenswert, dass das natürlich nur automatischer Unsinn war…). Wie ein Wetterdienst so viele Werte gegen die Wand fährt, nur weil er eigensinnig glaubt, dass automatische Messungen von sich aus richtig sind, bleibt dessen Geheimnis. An traditionell geführten Stationen ergaben sich bis zu 11 cm Neuschnee (Oberschleißheim und Holzkirchen). 

Vereinzelt fiel in Deutschland besonders wenig Niederschlag, wie etwa in Gardelegen mit 2,3 mm, was zusammen mit 1892 den dritten Platz in der seit 1871 bestehenden (und nicht unterbrochenen) Reihe bedeutet. Das rechtfertigt eine grafische Aufbereitung.

 

 

1930 hält dort das Novembermaximum mit 121 mm.

In der Schweiz hatte Altdorf mit 2,6 mm die zweitgeringste Novembersumme nach 2011 (0,0 mm, Beobachtungsbeginn 1864). 

Weit entfernt auf der französischen Antilleninsel Guadeloupe war das glatte Gegenteil der Fall: noch nie in einem November ergossen sich sagenhafte 1006 mm über dem Ort Saint Anne auf Grand Terre; eine Karte zeigt die geografisch-meteorologische Situation:

 

 

 

Eine Radaranalyse für die Niederschläge der ersten 20 November-Tage zeigt folgendes Bild:

 

 

Ebenfalls von Météo France stammt eine NOAA-Übernahme, die die andauernde Blockierung in Europa durch fennoskandische Hochdrucklagen im Jahr 2018 nachdrücklich in Erinnerung ruft:

 

 

 

 

Zum Schluss beginne ich mit einem Rückblick auf den sehr milden Dezember 1868, der nunmehr genau 150 Jahre zurück liegt. In meinem nächsten Bericht steht München im Zentrum, diesmal richte ich den Blick auf Paris und die Beobachtungen im Observatoire (unter Le Verrier). Damals erreichte die Mitteltemperatur 8,7°C. In der seit 1675 bestehenden Reihe waren nur 1806 (8,6°) und 1681 (8,8°) ähnlich mild gewesen, erst 1974 kam in die Nähe (mit 8,5°), bis dann 2015 mit 10,1°C ganz andere Grenzen setzte.

Immerhin sind der 5.12.1868 (mit 15,8°) und der 6.12. mit 16,3°C Maximum die Tagesrekordhalter seit dem späten 17. Jahrhundert. 1868 hatte einen einzigen zarten Frosttag am 1.12. mit – 0,1°C!

 

Deshalb nun die täglichen Temperaturextreme dieses Dezember 1868 in der Grafik:

 

 

Quellen: Daten von DWD, MeteoSchweiz, Météo France und eigene Unterlagen.

Wolfgang Webersinke, 15.12.2018

 

 

 

 

 

Witterungsbericht Dezember 2018

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

Der Dezember 2018 war wie fast das ganze Jahr 2018 zu mild, dabei recht sonnenscheinarm (zumal im Südosten) und durchweg nass.

Im Bayerischen Wald fielen die Mitteltemperaturen umso milder aus, je tiefer die Stationen lagen (z.B. Metten 2,1°C=+2,5 K), hingegen auf dem Gr. Arber  - 2,8°C (+ 0,3 K). Die Sonne machte sich rar:

 

Fürstenzell                   16   Std.

Entschenreuth             19 

Gr. Arber                     23 

Lalling                         24

Grainet                       25

Haidmühle                  26

Zwiesel                        28,5

 

Leider ist in Metten wohl die Sonnenscheinregistrierung zum 1.8. aufgegeben worden, damit wäre eine weitere Reihe, die immerhin seit 1935 bestand, zerstört. Aber das hat leider mittlerweile System beim DWD. Heuer wurden aber keine absoluten Dezemberminima erreicht (8 Stunden in Passau 1993, in Metten 9 Std., Finsterau im Dezember 1923 10 Std.).

Beim Niederschlag wurde die Dürre definitiv beendet (Daxstein hatte zuletzt 1993 einen noch nasseren Dezember), wie die kleine Tabelle beweist:


 

ORT
RR Dez. 2018
%1981-2010
Passau-Maierhof
117 mm
148
Weiding/Kr. Cham
154
200
Teisnach
159
185
Kringell
162
XX
Taiding b. Schöllnach
169
150
Metten
174
182
Regen
178
191
Viechtach-Bühling
186
207
Eging-Rohrbachholz
198
198
Waldkirchen-Richardsreut
199
179
Grainet-Rehberg
199
181
Unterfrohnstetten
201
178
Tittling-Englburg
217
190
Klafferstrass
226
187
Haidmühle
239
166
Entschenreuth
240
198
Lalling-Kapfing
243
194
Schöfweg
247
229
Zwiesel
250
194
St. Englmar
255
196
Wegscheid
255
196
Daxstein
260
181
Buchenau
261
171
Philippsreut
261
199
Bischofsreut
261
181
Finsterau
289
205
Duschlberg
333
221

 

Das Meiste fiel jedoch als Regen, in Lagen bis etwa 1000 m (weiter oben existieren seit mehreren Jahren keinerlei Schneehöhenmessungen mehr: wieder eine Tatsache, die zuletzt im 19. Jahrhundert im Bayerwald Realität war – so stellt man sich einen Zukunfts zugewandten  Wetterdienst vor …), gab es höchstens 29 cm (Duschlberg am 18. und 20.12.).

Am 22.12. gab es sogar ein Gewitter (eigentlich zwei, um 8.27 und 9.22 Uhr) in Daxstein, das aber nur von Hobbymeteorologen beobachtet und festgehalten wurde, da ja auch Gewitter in Deutschland nunmehr von fast keiner hauptamtlichen DWD-Station mehr erfasst werden, im Bayerischen Wald jedenfalls von keiner einzigen mehr (es ist nur mehr zum Weinen); hoch lebe die Automatisierung! In Daxstein wurde 2018 zum Vizemeister, was die Zahl der Gewittertage angeht: an der Spitze 1910 mit 50, 47 dann heuer und auch 1992.

Im Raum München war es ebenfalls zu mild, die Sonne war etwas fleißiger und der Niederschlag nicht so reichlich:
 

ORT
RR Dez. 2018
%1981-2010
Neufahrn b. Freising
74
117
Schrobenhausen
77
160
Unterföhring
81
123
Fahrenzhausen
83
132
Forstinning
89
139
Oberschleißheim/DWD
89
139
Altomünster-Maisbrunn
90
138
Gilching
97
141
München-Giesing
99
141
Aying (Brauerei)
109
133
Ebersberg-Halbing
109
147
Schäftlarn/Kloster
110
136
Starnberg
110
139
Frauenneuharting-Lohen
110
145
Deisenhofen
112
149
Wasserburg/Inn
118
171
Holzkirchen
146
192

 

Schnee war Mangelware: ein paar Tage blieb er liegen (etwa 8 Tage in Oberschleißheim oder 11 in Ebersberg und bis zu 17 cm Neuschnee in Holzkirchen, dort am 12. sogar 10 cm hoch).

Weil die Regenausbeute so willkommen war, folgt noch die Dezemberkarte des Niederschlags der Modellzentrale:

Radar month precip

 

Für Daxstein geht das wärmste Jahr aller Zeiten (die hier 1891 beginnen) zu Ende, und zwar mit 9,4°C, das sind zwei Zehntel mehr als im bisherigen Rekordjahr 2014. Seit April waren alle Monate mindestens 1,5 K zu warm, am allermeisten der April (+ 5,8 K). Dank des nassen Dezember wurde es kein ausgesprochenen Trockenjahr mehr, zuletzt hatte 2003 weniger als 1000 mm 

In Metten brachte 2018 10,6°C Mitteltemperatur (alter Rekord seit 1879 2014 mit 10,1°), in Fürstenzell/Passau 10,6°C gegen 10,1° im Jahr 2015 (ebenfalls ab 1879). Regensburg mit seiner besonders langen Reihe (ab 1773) hatte heuer 10,9°C (gegen 10,5 in 2014).

In einer ersten Auswertung habe ich zwei Sonnenscheinreihen zusammengestellt, und zwar Berlin, das 2018 den sagenhaften bundesweiten Rekord mit 2306 Sonnenstunden erreicht hat (Dahlem). Bislang war 2003 mit 2125 Stunden das Maß der Dinge. Als zweites Nürnberg, das heuer 2178 Stunden maß (bisher war es das Jahr 1959 mit 2120 Stunden). Das frühere Nürnberger Wetteramt hat mühevoll die Sonnenscheinreihe von 1900 bis 1879 nach hinten verlängert, indem es stündliche Turm-Bewölkungsangaben in Sonnenstunden umgerechnet hat. Es folgen die beiden Reihen:

 

 

 

Bei Berlin stammen die Werte von 1945 und 1946 aus den Potsdamer Beobachtungen. An beiden Orten hält 1912 die „rote Laterne“ mit nur 1135 (Berlin) respektive 934 Stunden (Nürnberg).

Außerdem runde ich die im Novemberbericht gemachten Anmerkungen zum milden Dezember 1868 ab.

In München an der Kgl. Sternwarte in Bogenhausen war der Dezember zwar mild, aber längst nicht so durchgehend wie in Paris. Immerhin lag anfangs noch die Schneedecke vom kalten November (wahrscheinlich bis zum 4., zuletzt hatte es am 29.11. geschneit). Insgesamt zählte man 13 Frost- und 2 Eistage bei einer Regenmenge von 88 mm (in jenem Dezember sah man keine Schneeflocke), am meisten am 22.12. mit 20,7 mm. Nun die Temperaturen dieses Monats in der Grafik:

 

 

Bemerkenswert war die Wärme am 7.12. (Bogenhausen 15,6°C). In Wien wurden bei Sturm an der Favoritenstraße (damals der Sitz der k.k. Centralanstalt) 19,5°C gemessen, am Standort der alten Sternwarte ebenfalls 19,1°C! In der Nacht vorher erreichte dort der Sturm 116 km/h. In Mannheim erreichte das Quecksilber 17,4, in Baden-Baden 17,8°C

Zweimal kam es auch zu überregionalen Gewitterlagen in jenem Dezember, einmal am 8., als die milde Meeresluft durch frische Kaltluft verdrängt wurde. Folgende Meldungen habe ich eruiert:

·Lorient 8 Uhr am Morgen eine halbe Stunde lang

·In Freudenstadt, Karlsruhe und Baden-Baden

·In Bern gegen 16 Uhr

·Aarau 18.30 Uhr im Südwesten

·Schaffhausen vor 18 Uhr Wetterleuchten im Süden

·Altstätten 17 bis 18 Uhr Wetterleuchten, ebenso St. Gallen

·In Bogenhausen Wetterleuchten in NNE gegen 18 Uhr

·Blois

Zum anderen an Heiligabend, vorwiegend in Württemberg und Baden, aber auch in Frankreich:

·In Mergentheim, Stuttgart, Heilbronn, Bruchsal

·In Karlsruhe, Baden-Baden

·Metz gegen 16 Uhr

·Auxerre, Tours

 

Am 16. gab es in der Schweiz vereinzelt ebenfalls Gewitter (Beatenberg, Genève, Montreux), als auch verbreiteter in Frankreich (Béziers, Beyris/Landes mit Hagel).

Zur Illustration der Wetterlagen füge ich noch drei Wetterkarten des Observatoire Impériale aus Paris hinzu (vom 6., 8. und 24.12.1868)

 

 

 

 

Und schließlich noch die grafische Übersicht, wie viel Niederschläge in Frankreich im Winter 1868/69 gefallen sind (bereits in Millimeter, nicht wie in Deutschland in dieser Zeit üblich in Pariser Linien):

 

 

Wolfgang Webersinke, 4.1.2019

 

 

 

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