Wetterstation Zenting-Daxstein

Witterungsberichte der Wetterstation Zenting-Daxstein 2017

 

 

Witterungsbericht Januar 2017

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

Nach langen Jahren konnte sich endlich wieder einmal ein kalter und eher trockener Witterungsverlauf im Januar durchsetzen. Dies war aber vor allem den Hochdruckgebieten geschuldet, die nach vorangegangenen Schneefällen selbst als Kälteproduzenten in Erscheinung traten. Bis auf die küstennahen Gebiete war es überall, nach Süden zunehmend, zu kalt, häufig herrschten Inversionslagen, die in den Städten hohe Schadstoffwerte produzierten, in den Bergen dafür für Sonnenschein, klare Luft und traumhafte Bedingungen sorgten.

Dies gilt in besonderer Weise für den Bayerischen Wald, wo die Mitteltemperaturen meist um – 6 Grad schwankten, am kältesten Haidmühle mit – 8,1°C, am mildesten die Hanglagen von Daxstein – 4,2 (- 2,2 K) und Waldhäuser – 4,5°C (- 2,0 K), Metten war diesmal etwas kälter als Zwiesel (- 6,1 und – 5,8°C). Pikanterweise gibt es vom Gr. Arber keine Werte, weil  der Automat mehrere Tage ausgefallen ist (Temperatur vom 4. bis 6.1. einschließlich, Sonne vom 10. bis 20.1.!), das sind  nun die Segnungen der gnadenlosen Automatisierung, ohne dass irgendjemand bei Störungen schnell eingreifen kann, wie das in Österreich oder der Schweiz der Fall ist; Jetzt lassen sich die „Früchte“ dieser verfehlten Politik einfahren.

31 Frosttage waren die Regel, meist 20 oder 21 Eistage (Lalling 23), an den kältesten Tagen wurden zeitweise die minus 20 Grad unterschritten: Haidmühle am 7. – 28,1, Kirchberg – 22,8, ebenso Klingenbrunn/Bahnhof, Entschenreuth – 22,1, Zwiesel – 20,8°C. 

Die Sonnenscheindauer war hoch und überschritt das Mittel überall deutlich: Metten 76,5 Std. Grainet 96, Haidmühle 97 (148 %), Zwiesel und Lalling 104, Waldhäuser 107 (167 %), Entschenreuth 110 Stunden (213 %). 

In einigen Gebieten lag an 31 Tagen eine geschlossene Schneedecke: z.B. Wegscheid, Sonnen, Philippsreut, Finsterau, Waldhäuser oder Bischofsreut, sonst an 29 Tagen (ab dem 3.1.). Zwischen dem 16. und 18.1. wurden die größten Höhen erreicht, 95 cm in Duschlberg, 91 in Bischofsreut, 81 cm in St. Oswald, Waldhäuser 80 cm, zur Donau hin waren es „nur“ 34 cm (Unterfrohnstetten, Tannöd) oder 23 cm (Metten). Die Neuschneesummen bewegten sich zwischen knapp einem halben Meter in Metten und 141 cm in Bischofsreut (134 cm in Buchenau), das sind aber keine besonders hohen Werte.

Die Niederschlagsmengen blieben in der großen Mehrheit im Defizit, nur 46 % in Haidmühle (67 mm), 48 % in Kirchberg (54 mm) bzw. 52 % in Sonnen (bei einem Betrag von 62 mm). Über 100 mm hatten nur Bischofsreut (102 mm=71 %), Daxstein (119 mm=87 %) und der Gr. Arber (124 mm=95 %; wenigstens das konnte noch gemessen werden). 

Im Münchner Raum lagen die Mitteltemperaturen zwischen – 3,0°C an der Theresienstraße in München und – 5,5°C in Osterseeon. In der Nacht vom 6. Auf den 7.1. sank die Temperatur stellenweise unter – 20 Grad: Flughafen – 21,7°, Altomünster – 20,3, ebenso Laufzorn, Wielenbach – 22,7, Garching – 20,2, Grub – 21,5, Obersöchering – 20,4 und Osterseeon – 21,5°C. Meist wurden 29 Frosttage gezählt.

Die Sonnenscheindauer schwankte nur wenig zwischen 79 (Wielenbach) und 92 Stunden an der Theresienstraße (Attenkam und Weihenstephan je 90 Std.) und war somit übernormal. 

Der Niederschlag war im nördlichen Raum durchweg unternormal (Weihenstephan 28 mm= 68 % bzw. Schrobenhausen 31 mm=69 %), südlich von München auch übernormal: Egling/Isar 81 mm=111 % bzw. Geretsried 98 mm= 142 %. Den Hauptbeitrag lieferte der Regen vom 31. mit 31,2 mm in Geretsried oder 27,4 mm in Holzkirchen. Durchweg an 29 Tagen lag eine Schneedecke, mit den größten Höhen am 9. (Obersöchering 21, Egling 22 cm cm) oder am 16./17.: 32 cm in Geretsried und 39 cm in Holzkirchen. Die Neuschneesummen erreichten im Süden bis über 60 cm (Obersöchering 62, Geretsried 65, Holzkirchen 73 cm).

Zwar war der Januar 2017 kalt, aber im Blick auf das 19. und 20. Jahrhundert nicht besonders auffallend, lediglich die Kälteinsel über Mittel- und Westeuropa war innerhalb der sonst vorherrschenden zu milden Witterung auf der Nordhalbkugel bemerkenswert. Immerhin war es, beispielsweise nördlich der Alpen der kälteste Januar seit 1987. 

Einen einzigen Rekord gab es: in Nürnberg schien die Sonne so ausgiebig wie seit Beginn der Aufzeichnungen dort noch nie (1879). 106 Stunden wurden registriert, eine entsprechende grafische Aufbereitung war also zwingend:

 

 

 

Andernorts konnten man noch vom zweitsonnigsten sprechen (etwa Bamberg mit 92 Stunden nach 94 Std. im Jahr 2006; Reihe ab 1901). Auch in Klagenfurt besetzt 2017 mit 152 Stunden einen der vordersten Ränge. Rekordmäßig war die Besonnung auch in Dinard und Niort (111 Std.) sowie in Poitiers mit 114 Stunden. Erklärt wird dieser Umstand durch die Luftdruckverteilung, die im Januar heuer ein kräftiges Hoch mit Zentrum über dem Ostalpenraum aufwies.

Dass dabei teilweise sehr wenig Niederschlag fiel, nimmt nicht wunder: Lienz und Dellach je 3, Spittal/Drau 4 und Saint-Auban 4,6 mm. Während etwa in den Zentralalpen ausnehmend wenig Schnee fiel (San Bernardino, Bosco-Gurin oder Segl-Maria in der Schweiz mit sehr geringen mittleren Schneehöhen), gab es im nördlichen Alpenvorland reichlich Schnee: Langnau im Emmental hatte am 18.1. 70 cm bei einer mittleren Januarschneehöhe von 31 cm.

Quasi als Ausgleich zur Niederschlagsarmut im Alpenraum ergossen sich über das östliche Korsika vom 21. bis 23.1. wahre Sintfluten, maximal 435 mm in diesen drei Tagen in Zonza/Corse du Sud (am 22.1. in Ghisoni/Haute-Corse allein 250 mm, Labastide-Rouairoux/Tarn ebenfalls 230 mm an diesem Tag!). Im ganzen Monat brachte es Isolaccio-di-Fiumorbo auf 593 mm. Korsika hatte im Mittel den nassesten Januar seit 1972, wie die folgende Karte illustriert:

 

 

 

Zum Schluss noch ein paar Worte/Werte zum Sturmtief Egon, das am 13.1. beachtliche Windgeschwindigkeiten produzierte:

Menton             113 km/h

Caen                131 

Ile de Groix       139

Dieppe              146

Cap Corse        167

 

W. Webersinke, Februar 2017

 

Witterungsbericht Februar 2017

 

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

Nach einem Monat richtigen Winters kehrte die „Wetterküche“ wieder zum Regelprogramm zu mild und schneearm zurück. Ein oft sonnig-milder und eher trockener Wettermix charakterisierte den dritten Wintermonat 2017.

Im Bayerwald war es ebenfalls deutlich zu mild. Die Mitteltemperaturen schwankten zwischen - 1,1°C auf dem Großen Arber (Haidmühle – 0,5°C) und 2,3°C in Hutthurm-Kringell (Kinzesberg 2,2°C). In tieferen Lagen gab es gar keine Eistage, einen in Waldhäuser, zwei in Daxstein und drei in Haidmühle. Die Sonne machte erneut Überstunden, es wurden recht einheitlich zwischen 96 (Metten) und 117 Stunden (in Lalling) gezählt. Die Niederschlagsmenge erreichte gegen Norden zu oft nicht einmal 40 mm (Schorndorf 24, Miltach 36 sowie Prackenbach und Bogen je 39 mm), in den höheren Lagen auch über 75 mm (Gr. Arber 84, sowie maximal Buchenau und St. Englmar je 86 mm), was  hauptsächlich dem 21.2. zu verdanken war: maximal 30,0 mm in Wegscheid (Grafling 25,8 mm). Die Schneedecke war in höher gelegenen Orten den ganzen Monat beständig, was aber noch den Januarschneefällen zuzurechnen war. In tieferen Lagen gab es nach dem 21. bis 23.2. keine geschlossene Schneedecke mehr. Die Neuschneesummen waren sehr gering: Daxstein 5, Waldhäuser 8, Philippsreut 12 cm. Der Winter insgesamt verlief temperaturnormal (Daxstein + 0,4 K), deutlich zu trocken (Daxstein 232,5 mm statt normaler 399 mm, = 58 %) bei einer generösen Sonnenscheinausbeute: Haidmühle z.B. 310 Stunden (…..%).

Der Großraum München blieb ebenfalls weit übernormal mild (mit Grenzwerten von München/Stadt 3,9°C gegenüber 2,2°C in Osterseeon). Frosttage traten zwar relativ oft auf, Eistage hingegen waren gar keine zu vermelden. Die Sonne schien meist 85 bis 90, auf dem Flughafen München sogar 97 Stunden. Niederschläge waren weniger häufig als normal, im Nordhalbraum kamen Werte von unter 30 mm vor: Schrobenhausen und Erdweg je 24 mm, Flughafen und Weihenstephan jeweils 28 mm, nach Süden den Alpen zu bis 60 mm (Obersöchering, Geretsried 58 mm). Alles Mengen unter dem Durchschnitt. Nur ganz nach Süden zu traten Tage mit geschlossener Schneedecke auf: Holzkirchen 11, Geretsried 7 Tage, mit bescheidenen Neuschneemengen von höchstens 6 cm in Obersöchering.

Am 23.2.2017 schaffte der Föhn an einigen Orten im nördlichen Alpenraum sogar absolute Februarhöchstwerte der Maximaltemperatur:

·Salzburg-Freisaal          21,9°C

·Wien-Unterlaa               20,2°C

·Landeck/Tirol                19,1°C

·Luzern                          19,9°C

·Zürich-Fluntern              18,8°C

·Bern-Zollikofen              18,5°C

Die Reihen von Bern reichen bis 1864, die von Luzern bis 1882 und die von Zürich bis 1886 zurück.

Am 4.2.2017 gab es ordentliche Orkanböen im Südwesten Frankreichs:

Biscarosse                          132 km/h

Royan                                  144  und

Cap Ferret/Gironde       148 km/h
 

 

 

In einer grafischen Übersicht der ZAMG aus Wien wird besonders gut deutlich, wie warm die Winter in den letzten Jahrzehnten geworden sind:

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Gleichzeitig war der Winter in einigen Regionen Mittel- und Süddeutschlands sehr trocken:

Für Erfurt bedeuten die 36 mm des eben zu Ende gegangenen Winters einen der vordersten Plätze in der seit 1848 bestehenden Reihe (1857/58 30 mm als minimaler Wert). In Nürnberg hält 2016/17 mit 46 mm den dritten Platz ab 1879/80: Trockenster Winter ist 1890/91 zusammen mit 1963/64 (jeweils 45 mm)

 

In und um den nördlichen Alpenraum reichte es sogar zum sonnigsten Winterzeitraum seit mindestens 1901: sowohl Innsbruck/Universität wie auch die Zugspitze melden die längste Sonnenscheindauer in dieser Zeitspanne: Innsbruck 419 Stunden (ab 1906/07) und Zugspitze 525 Stunden (alter Rekordhalter 1963/64 514 Stunden; ab 1900/01). Hier die Grafik von Innsbruck:


 

 

W. Webersinke, März 2017

 

Witterungsbericht März 2017

 

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

Im ersten Frühlingsmonat lagen wir – wie schon so oft – im Zustrom milder Luftmassen, die die Temperaturen hochtrieben, was wir dann im kühlen April erheblich zu büßen hatten.

Im Deutschlandmittel wurde es also der wärmste März seit 1881 vor 1938, 1974, 1994, 2012 oder 2014. An einigen Säkularstationen reichte es also zum höchsten Märzmittel seit Beobachtungsbeginn, am eindrucksvollsten in Regensburg, das auf 243 Beobachtungsjahre zurück blicken kann. Die kleine Übersicht zeigt die Stationen, an denen das der Fall war:


 

Tm März-Rekordwert 2017

 

2017

alt

Jahr

Reihe ab

Bremen

7,7°C

7,6°

1991

1829

Frankfurt/Main

9,3

9,3

1938

1826

Münster/Osnabrück

8,7

8,7

1991

1852

Regensburg

7,5

7,0

2012

1773

Würzburg

8,4

8,3

1991

1880

Straubing

7,4

7,4

1974

1879

Trier

9,0

9,0

1981

1851

Geisenheim

9,4

9,0

1938/2012

1884

 


An nicht wenigen Orten blieb 2017 nur gerade um ein Zehntelgrad hinter dem Rekordwert zurück: z.B. Hohenpeißenberg (6,1° gegen 6,2° von 1957 und 1989), Nürnberg (7,8° gegen 7,9° in 1981), Stuttgart-Echterdingen (8,3° gegen 8,4° 1994) oder Metten (6,8° gegen 6,9° 1974). Auf die geringe Bedeutung der Zehntelgrade in diesem Zusammenhang braucht man wohl nicht eigens hinweisen.

Nunmehr die Grafik von Regensburg:


 


Auch Österreich mit seiner langen Messreihe ab 1767 erlebte den wärmsten März seither, knapp vor 1994, in der Schweiz lag 2017 ein klein wenig hinter 1994 (Daten ab 1864), für Frankreich gilt eine Ex-Aequo-Position von 1957 und 2016 (Beginn 1900).

 

Am 31.3.2017 konnten sogar örtlich die höchsten bisherigen März-Maximaltemperaturen gemessen werden:


 

 

Tmax-Rekorde für März

 

Rekord

31.03.2017

Halle

25,1°C

seit 1851

 

Schleswig

21,7

1887

 

Kiel

21,9

1881

 

Braunschweig

23,4

1880

 


Bevorzugt im Alpenraum gingen an einigen Tagen sehr beachtliche Tagesniederschlagsmengen nieder, die ebenfalls gewürdigt werden sollen:

 

08.03.2017

Kniebis

61,2 mm

09.03.2017

Ruhpolding-Seehaus

69,8

 

Balderschwang

68,3

 

Zugspitze

67,7

 

Oberstdorf-Rohrmoos

65,2

 

Jachenau-Tannern

61

18.03.2017

Ruhpolding-Seehaus

102,4

 

Balderschwang

92,5

 

Oberstdorf-Rohrmoos

80,4

 

Bisch.wiesen-Loipl

73,4

 

Hindelang-Unterjoch

72,2

 

Immenstadt-Reute

66,7

 

Weiler-Simmerberg

65,2

 

Anger-Stoißberg

63,9

 

Marktschellenberg

60,7

 

Selbst die 102 mm von Seehaus bedeuten keinen Rekord, denn am 11.3.1979 fielen noch größere 24-stündige Mengen (Balderschwang 112,8 und Seehaus 131,1 mm). Balderschwangs Beobachtungen beginnen 1908, die von Seehaus 1937. Als Monatsmenge ergaben sich 300 mm für Seehaus und 301 mm für Balderschwang.

Bedingt durch eine längere Abwesenheit über Ostern ist dieser Bericht notgedrungen abgekürzt.

 

W. Webersinke, Daxstein, 29.4.2017

 

Witterungsbericht April 2017

 

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

Nach dem sehr milden März zeigte uns der April wieder eher seine unangenehme Seite: nach warmen Tagen in der ersten Monatshälfte kam es anschließend zu massiven Kaltlufteinbrüchen mit Schnee bis in die Niederungen und tiefen Minima, die in der weit ausgetriebenen Natur zu großen Frostschäden führten.

Für Daxstein und die umliegenden Orte brachten die Fröste praktisch überall schlimme Auswirkungen: so manche Birke ist bis heute nur schwach belaubt, viele Buchen haben braun abgefrorene Äste, selbst beim Holunder gibt es schwarz herabhängende Blätter, die Walnussbäume wirken noch fast kahl, einzig die Ende April noch nicht erblühten Apfelbäume versprechen eine gute Ernte. Die nachfolgend feuchte Witterung lässt aber auf ein Nachwachsen der Blätter hoffen.

Am Beispiel München schildere ich nun die meteorologischen Auswirkungen der Kälteperiode ab Ostern 2017. Am Flughafen sank die Temperatur am 21.4.2017 auf – 5,1 und am übernächsten Tag auf – 5,0°C. In der seit 1781 bestehenden Münchner Temperaturreihe (Außenstation) war es am 21.4. bisher 1852 und 1861 mit jeweils – 6,1° am kältesten, für den 23.4. hat 1919 den Rekord inne (- 6,9°), ebenso am 24.4. (- 4,8°), das heißt 2017 belegt einen „guten“ Platz in diesem Zahlenwerk. 1997 hatte es am Flughafen in dieser Zeit ebenfalls kräftigen Spätfrost: 21.4.1997 – 5,1, 22.4. – 5,6 und am 24.4. – 3,3°C Tiefsttemperatur.

1852 verliefen große Teile des April sehr kühl, insgesamt gab es 16 Frosttage (davon 12 am Stück vom 15. bis 26.4.), wie die Übersicht der Maxima und Minima jenes Monats in der Grafik zeigt:


 

 


1861 war die dritte Aprildekade sehr frostgeplagt mit – 6,1° am 21.4., -3,0° am 24.4., -1,1° am 29.4. und – 3,8°C am Monatsletzten, die erste Maidekade brachte dann noch einmal 5 Frostnächte.

1919 hatte zunächst am Monatsanfang eine solche Schneeladung wie noch nie im April zu bieten: am 2.4. in München 50 cm (dabei am 1.4. 23 cm Neuschnee; Hohenpeißenberg am 3.4. 68 cm). Auf dem Hohenpeißenberg sank die Temperatur in der dritten Dekade jeden Tag unter 0 Grad!, am 22. und 23. (bei einem Minimum von – 8,3°C) kam das Maximum gerade so noch über die 0-Grad-Grenze. Der 23.4. hatte selbst in der Münchner Innenstadt (Gabelsbergerstr.) – 3,8, an der Sternwarte – 5°C.

Um die Frostschäden zu komplettieren noch der Hinweis auf die Monatswende April/Mai 1976: am 29.4. in Riem – 3,1 und am 30.4. – 4,7°C und die Nacht zum 1. Mai dann – 3,0°C.

Auch in Österreich wurden sehr tiefe Temperaturen gemeldet: Innsbruck/Flughafen – 4,4 und Graz/Flughafen – 5,5°C sind die tiefsten Werte der zweiten Aprilhälfte überhaupt dort, Gleiches gilt für Visp in der Schweiz (- 5,5°). Auch Arras in Frankreich (Pas-de-Calais) hatte einen Aprilrekord mit  - 4,4°C.

Die Schneefälle im Alpenbereich erreichten ebenso sehr beachtliche Mengen: in Lunz am See/NÖ ergaben sich am 20.4.2017  morgens insgesamt 86 cm (bei einer Neuschneemenge von 65 cm), St. Gallen meldete 35 cm am 28.4.2017 in der Früh (Zweitageszeitraum), auch die 2 cm von Basel am Morgen des 26.4. haben um diese Zeit Seltenheitswert.

Im Westen der Bundesrepublik und im Osten Frankreichs fiel dabei zum Teil nur sehr wenig Niederschlag, wobei aber keinerlei Rekorde gebrochen wurden:

 

Reims/Champagne                    3,4 mm

Saint-Quentin (Aisne)                4,6

Metz/Lorraine                           4,6

Bad Kreuznach                         2

Neustadt/Weinstr.                     2

Bad Dürkheim                           4

Worms                                     4,4

Geisenheim                              5

Trier                                         5

 

W. Webersinke, 20.Mai 2017

 

 

Witterungsbericht Mai 2017

 

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

Der dritte Frühlingsmonat im Jahr 2017 zerfiel in zwei ungleiche Teile: während es in der ersten Monatshälfte oft zu kühl und niederschlagsreich war, setzte sich in der zweiten Hälfte immer mehr der Sommer durch und es regnete eher selten.

Im Bayerwald traten – mit Ausnahme der meist begünstigten Hanglagen (Daxstein, Lalling oder Kringell) – bis zum 11. Mai Frosttage auf (meist einer oder zwei, minimal Haidmühle – 5,6° am 11.), danach nur mehr in Haidmühle. Ab dem 17. Mai kam es häufig zu Sommertagen, in Metten an 9 Tagen, davon zweimal auch über 30 Grad (Metten bis 30,6°C). Insgesamt war der Mai 2017 dann doch deutlich zu warm und meist zu trocken: Größere Bereiche im Hinteren Bayerwald sowie auch im eigentlichen Bayerischen Wald blieben unter 50 mm: Kirchberg 41, Unterfrohnstetten 42, Zwiesel, Entschenreuth und Finsterau 44 sowie Teisnach 46 mm. Ganz im südöstlichen Zipfel gab es sogar über 100 mm: Schaibing 103 und Kinzesberg sogar 155 mm (mehrere Starkniederschläge am 3. (44 mm), 4. (32 mm) und am 8. (29 mm) waren dort daran beteiligt).

Die Frostschäden des April wurden nun deutlich sichtbar mit vielen braunen Flächen in den erfrorenen Buchenbeständen, auch Birken waren teilweise fast kahl und selbst der sonst so robuste Holunder wies schwarz gefärbte Blätter auf. Erst zum Juni hin verbesserten die sogenannten Johannistriebe das Bild wieder.

Im Großraum München wurde meist nur an frostanfälligen Orten (wie etwa Holzkirchen) ein Frosttag gezählt, sonst blieb es – zumindest in 2 m Höhe – frostfrei. Sommertage gab es bis zu 8, am 29. auch über 30 Grad, aber ohne an den Rekorden zu kratzen. Beim Niederschlag war das Ergebnis etwas erfreulicher als im Bayerwald. Weniger als 55 mm gab es nicht (Scheyern und Schrobenhausen je 55 mm), dafür südlich von München größere Gebiete über 100 mm:

Starnberg                     129 mm

Wessobrunn                 136

Schäftlarn                     142

Geretsried                    157

Eberfing                        173

Obersöchering              179

 

An folgenden Tagen wurden erhebliche Tagesniederschlagsmengen registriert:

 

4.5.      Hersbruck                     60,7 mm

            Marktoberdorf                57,1

8.5.      Aschau-Stein                67,2

            Obere Firstalm              51,9

19.5.     Salzhausen                  54,9

Bucha                          54,9

            Jena                             53,9

            Stütensen                     51,4

            Zernien                         50,6

            Bad Bibra                     50,5

30.5.     Jenner/BGL                  51,5

 

Für Jena liegen Niederschlagsbeobachtungen ab 1827 vor, so dass der 19.5.2017 als dritt-niederschlagsreichster Tag im Mai gelten kann, nach 57,6 mm am 12.5.1994 und 56,2 mm am 28.5.1857.

 

Vor 100 Jahren im Kriegsjahr 1917 erlebte Mitteleuropa einen besonders trockenen und sommerlichen Mai (nach einem noch fast spätwinterlichen April!).

In Norddeutschland beispielsweise herrschte mehr oder weniger Dürre bei den folgenden Monatsmengen:

Berlin/Invalidenstr.                     6 mm

Hamburg                                  5

Baruth                                      2

Zahna                                      2

 

Die Monatsmitteltemperatur betrug, z.B. in

Fichtelberg                               8,9°

Wahnsdorf                                15,0

Chemnitz                                  15,2

Leipzig                                     16,5

Hamburg                                  14,2

Hohenheim                               16,8

 

In Lindenberg/Obs. schien die Sonne 308, in Neubrandenburg an 327 Stunden.

 

Besonders hervorheben will ich die mustergültigen Beobachtungen der Hohen Warte in Wien, die ich einmal in extenso vorstellen will, zumal sie auch bis heute fortgeführt werden, und dort niemand daran denkt, das allein den Automaten zu überlassen. Diese Beobachtungen erschienen im Anzeiger der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse.


Damit schließt mein Maibericht 2017.

 

Wolfgang Webersinke, Juni 2017

 

Witterungsbericht Juni 2017

 

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

In diesem Sommer scheint es vorwiegend ein Nord-Südgefälle bei der Temperatur zu geben: im Süden sehr warm, im Norden zunehmend leicht zu kühl und in den verschiedensten Gebieten zum Teil intensivste Niederschläge neben Regionen, die dringend auf Regen warten.

Im Bayerwald war es extrem warm, Daxstein hatte den dritt-wärmsten Juni seit 1891, Spitzenreiter 2003 mit 18,1°, gefolgt von 1930 mit 17,9°C, dann 2017 mit 17,5°C. Haupt“verursacher“ der Wärme waren die hohen Nachttemperaturen, am 23. sank die Temperatur nur auf tropische 20,8°! Vorwiegend fiel zu wenig Niederschlag, am wenigsten in Untergriesbach-Schaibing mit nur 43 mm (danach Pemfling-Pitzling im nördlichen Bayerischen Wald 50 mm), einzelne Orte hatten auch über 100 mm, was für den Juni aber gar nichts Besonderes darstellt: Regen 101,5, Grafling 106, Buchenau 115 und St. Englmar 142,5 mm. Der größte Tagesniederschlag stammt vom 28.6. mit 53,9 mm in Buchenau (dort liegt für Juni der Tagesrekord bei 69 mm; Beobachtungen ab 1891).

Im Raum um München herrschte ebenfalls sommerlich geprägte Witterung. Am wärmsten die Stadtstation in der Theresienstraße mit 21,2°, am kühlsten das Gut Laufzorn auf einer Rodungsinsel im Wald mit 18,2°C. Niederschläge waren ganz überwiegend defizitär, mehr als 100 mm waren eine Rarität:

Eberfing                        104 mm

Krailling                        104,5

Geretsried                    107

Andechs                       114

Wessobrunn                 130

In größeren Arealen fielen weniger als 60 mm: Isen 37,5, Osterseeon/EBE 43, Puch/FFB 46, Haag 49, Erdweg 51, Frauenneuharting/EBE 53, Nandlstadt 55 mm.

Die erweiterte Sicht auf meteorologische Besonderheiten beginne ich heute mit dem tiefsten Juniluftdruck seit langer Zeit. Die Berliner Wetterkarte machte für Berlin darauf aufmerksam: 991,2 hPa für den 29.6.2017 sind seit 1951 der tiefste Wert. Für München konnte ich eruieren: 995,3 hPa am 29.6.2017 um 0 Uhr MESZ. München besitzt eine lange Luftdruckreihe ab 1825. Einen ähnlich tiefen Wert gab es vor langer Zeit am 30.6.1865, ebenfalls mit 995 hPa. Damals lag ein kräftiges Tief über dem Ärmelkanal. Das Observatoire Royal in Paris hat ja damals schon Luftdruckkarten gezeichnet, siehe die beigefügte Karte vom 30.6.1865:


 

 


Nun zu den vielen Starniederschlägen des Juni 2017:

1.      Am 2.6. traf es verschiedene Gegenden:

 

Ludwigschorgast                       105,6 mm (davon 28 mm in 10 Minuten)

Willingen                                  75,2

Obermoschel                            67,0

Groß-Gerau-Wallerstädten         63,5

Kronach                                   63,0

 

2.      Der Raum Göttingen war am 22.6. dran: es fielen beim DWD 72,3 mm (MG-Station nur 27,1 mm!); das ist der zweit-höchste Wert seit 1857 im Juni, der Rekord bleibt beim 1.6.1886 (95,3 mm), am 3.6.1981 gab es 70,2 mm.

 

3.      Am 28.6. regnete in vielen Teilen Nordbayerns und im östlichen Baden-Württemberg sehr stark:

 

Nabburg

78,2

Nabburg/DWD

69,4

Windsbach

68,7

 

4.      Der 29.6. dann fast legendär mit dem großen „norddeutschen“ Regen. Dazu gibt es schon viele Beiträge, u.a. eine Beilage der Berliner Wetterkarte vom 15.7.2017, so dass ich nur eine kleine einordnende Übersicht gebe:


 

Tagesregenmenge vom 29.6.2017

 

 

 

Monat Juni 2017

0rt

mm

alter Rekord

Datum

seit

 

Berlin-Tempelhof

112,8

80,8

28.6.1964

1928

193

Berlin-Dahlem

93,0

57,9

28.6.1964

1890/1848

 

Berlin-Buch

99,3

82,4

9.6.1953

1889

 

Potsdam

73,5

69,2

25.6.1940

1893

 

Waren

80,8

56,3

21.6.1954

1891

136

 

 

56,2

6.6.1988

 

 

Marnitz

112,9

70,7

12.6.1993

1865

182

Lindenberg/Obs.

75,2

49,3

7.6.1998

1906

 

 

 

48,8

27.6.1919

 

 

 


Sowie eine Tabelle mit einigen zentralen Werten des 29.6. 2017, ohne Absicht auf Vollständigkeit anstreben zu wollen:

253.1 Oranienburg-Lehnitz BB

196,9 Berlin-Tegel/DWD
152.4 Berlin-Tegel BE
150.9 Bestensee BB
139.4 Berlin-Eiskeller BE
130.6 Kremmen-Gross Ziethen BB
123.4 Berlin-Kreuzberg BE
114.1 Berlin-Insulaner BE
112.8 Berlin-Tempelhof BE

106,0 Staaken

106,5 Langerwisch
105.0 Hennigsdorf-Nord BB

103,2 Thyrow

103,0 Jühnsdorf-Blankenfelde
102.6 Berge Havelland BB
100.7 Nauen BB
99.3 Berlin-Buch BE
96.1 Potsdam-RBB BB
95.7 Berlin-Kaniswall BE

95,2 Berlin-Schmöckwitz
93 Berlin-Dahlem BE
90.2 Berlin-Marzahn BE
84 Berlin-Adlershof BE
81.7 Berlin-Wannsee BE
80.8 Ahrensfelde BB

78,7 Rehagen
77.4 Schoenefeld-Flughafen BB
74.4 Berlin-Mueggelsee BE
73.5 Potsdam BB
67.8 Eberswalde BB
56.8 Heckelberg BB
52.2 Strausberg BB

 

Aus dem Tessin wird auch ein Niederschlagsrekord gemeldet: Lugano erlebte den nassesten Juni seiner Messgeschichte (ab 1861)

: 493 mm, die alte“ Bestmarke“ stammt von 1963 (444 mm).

Dagegen plagte Niederösterreich eine große Trockenheit: Retz meldete lediglich 12 mm im ganzen Monat Juni (18 % des Mittels!). Dazu kamen enorme Sonnenscheinsummen: Hohenau/March 342, Neusiedl 337, Wien-Jubiläumswarte 327, Hohe Warte 323 Stunden.

Zur besseren Einordnung folgen zwei Grafiken von Wien mit den Sonnenscheinsummen für Juni ab 1881 sowie die Monatsmitteltemperaturen ab 1775:


 

 

 


Zudem die veröffentlichte Sonnenscheintabelle des Juni 1917, der noch um Einiges sonniger war als 2017:


 

Wolfgang Webersinke, Juli 2017

 

 

 

Witterungsbericht Juli 2017

 

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Nach dem warmen Juni kam der Juli wieder in ein viel durchschnittlicheres Fahrwasser, wobei das Wasser im Alpenvorland und im Bayerischen Wald nicht in so großer Menge vom Himmel kam wie andernorts in Deutschland.

Im Großraum Bayerwald war der Juli etwas zu warm mit Mitteltemperaturen von 15,5°C in Haidmühle (Waldhäuser 15,6°) bis 18,9°C in Lalling (Metten 18,8°). Am 14.7. kühlte es in Haidmühle bis 1,2°C ab. Lalling (am Südhang bei Kapfing) meldete 16 Sommertage und 4 heiße Tage. Die Summe des Sonnenscheins reichte von 196 Stunden in Waldhäuser bis 250 Stunden in Lalling (nahezu normale Werte für Juli). Generell regnete es mehr als 100 mm, lediglich größere Gebiete im nördlichen und nordwestlichen Bayerwald waren teilweise deutlich trockener: Regen 93, Passau-Maierhof 90, Zwiesel 89, Weiding/Kr. Cham 85, Wiesenfelden 82, Eiserszell 68, Teisnach 64, Schorndorf und Steinach 55 mm. Über 150 mm hatten Waldhäuser 154, Duschlberg und Sonnen je 156 sowie Wegscheid 163,5 mm. Die höchste Tagesmenge maß Tittling am 10.7. mit 43,2 mm.

Bei einem Besuch der Klimastation der Nationalparkverwaltung in Waldhäuser entstand am 7.8. folgendes Bild:

 


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In und um München zeigte sich der Juli 2017 ähnlich: die Mitteltemperatur schwankte zwischen 17,9°C in Obersöchering (18,0° in Attenkam) und 20,3°C in München/Theresienstraße (Wetteramt 20,0°C). Die Sonne zeigte sich zwischen 208 Stunden in München und 236 in Weihenstephan. Bis auf Nandlstadt (83 mm) regnete es überall mehr als 100 mm, in der Spitze sogar etwas über 200 mm (selbstverständlich im Süden): Egling 200, Otterfing und Holzkirchen je 204,5 mm, Geretsried 208 und Obersöchering/DWD 209 mm. Die größte Tagesmenge fiel stets auf den 26. (Dauerregen): Geretsried 53,3, Holzkirchen 65,0 und Otterfing 74,7 mm.

In anderen Teilen Deutschlands ging es da wesentlich mehr zur Sache. Beim Niederschlag war es an den östlichen Rändern (Erzgebirge, Oberpfälzer Wald) und im äußersten Westen eher etwas zu trocken, während sich das Zentrum und die nördlich daran anschließenden Teile Deutschlands (besonders das Harzumfeld!) durch ausnehmend viel Regen auszeichneten:

Eckertalsperre/NI                      413 mm (490 %)

Todtmoos                                 mind.    401 mm

                                               (der 20.7. fehlt)

Kreuth-Glashütte                       398 mm (160 %)

Aschau-Stein                            398 mm (155 %)

Übrigens sind die oberbayerischen Werte von Kreuth und Aschau nichts Besonderes! Die Eckertalsperre maß in zwei Tagen außergewöhnlich viel: am 25.7. 163,0 und tags zuvor 105,7 mm! Torfhaus hatte am 24.7. 101,1 und am 25.7. 111,8 mm. Über Artern ergossen sich am 24.7. 102,4 mm (ebenfalls Stationsrekord für alle Monate seit 1891!), davon allein von 4 bis 5 Uhr früh am 25. 38,5 mm. Die alte Rekordmarke bestand aber auch schon lange: 88,0 mm am 24.7.1901.

 

Es gibt auch zwei Julirekorde zu vermelden: sowohl in Göttingen (202 mm; dort am 24.7. 64,3 mm; ähnlich viel am 31.7.1967 mit 64,5 mm) wie auch auf dem Brocken (427,5 mm; dort am 24.7. 121,2 und tags darauf nochmals 117,0 mm) ist noch nie seit Beobachtungsbeginn (Göttingen 1857, Brocken 1895) so viel Juli-Niederschlag gefallen. Bei den Tagesmengen gab es aber im Juli schon deutlich mehr: 154,5 mm am 17.7.2002, 130,0 mm am 10.7.1898 und 127 mm am 30.7.1858. Deshalb folgen nun die entsprechenden Grafiken:


 

 

 


Auf der Wasserkuppe wurde das absolute Maximum knapp verfehlt (2017 275 mm gegenüber 286 mm im Jahr 1926), dafür gab es die höchste 24-Stundenmenge am 25.7. mit 95,6 mm; damit war der 24.7.1925 geschlagen (88,0 mm). In Friedrichshafen-Unterraderach brachte der 8.7.2017 ebenfalls den Tagesrekord (und Allzeitrekord für alle Monate) mit 123,4 mm (von 17 bis 20 Uhr 112,6 mm mit den Stundensummen von 45,0, 44,1 und 23,5 mm!). Der besagte 8.7. bescherte Meersburg 103,9 mm (45,3 mm von 17 bis 18 Uhr bei einer größten Bö von 108 km/h), die Insel Mainau hatte 90,8, Friedrichshafen/LUBW 89,2 mm sowie Konstanz 76,6 mm (Julirekord für die Messungen ab 1943).

Zur Illustration noch ein paar weitere exorbitant große Tagessummen des Niederschlags (keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit!):

·         Am 19.7. in Köln-Stammheim 95,0 mm

·         Am 22.7. in Bensersiel 86,7 mm (von 22 bis 23 Uhr 37,9 mm) und auf Langeoog 74,7 mm (von 22 bis 23 Uhr 54,9 mm!).

·         Am 24.7. Nordstemme-Mahlente 126,0 mm, Alfeld 91,0, Braunlage 79,9 und Leinefelde 72,5 mm.

·         Am 25.7. Ruhestein/Schwarzwald 114,1, Ottbergen 101,2, Wernigerode 79,7 und Schmücke 68,9 mm.

·         Am 26.7. Ruhpolding-Seehaus 117,5, Aschau-Stein 101,9 und Jachenau-Tannern 91,7 mm.

Im gleichen Monat gestaltete sich die Witterung in Südfrankreich fast komplett niederschlagslos: Nice völlig trocken, Toulon 0,4, Le Luc (Provence) 0,6, Avignon und Sète je nur 0,8 mm.

Anders Paris: dort gingen am Abend des 9.7.2017 zwischen 21 und 23 Uhr im 13. und 15. Arrondissement sintflutartige Gewitterregenfälle nieder und bescherten der Station Montsouris (seit 1873) einen neuen Stundenrekord mit 49,2 mm (zwischen 21 und 22 Uhr; der alte stammt vom 2.7.1995 mit 47 mm) – der ganze Regen brachte 67,7 mm. In Civray regnete es sogar 86 mm. An dieser Stelle möchte ich einmal die übersichtlichen Niederschlagskarten von Météo France zeigen, die meines Erachtens viel klarer die Verhältnisse wiedergeben als die oft kaum unterscheidbaren Farbnuancen in deutschen oder österreichischen Karten:


 


Um auch meine meteorologisch-historische Ader nicht zu kurz kommen zu lassen zwei Hinweise auf den Juli 1867 – also vor 150 Jahren, als es am 16.7. einen großen Sturm am Bodensee gab, der in der erst seit 1866 bestehenden Meteorologischen Zeitschrift gewürdigt wurde:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In wenigen Stunden traf der Sturm in Wien ein:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Zum anderen bringe ich von eben derselben Zeit einen kleinen Auszug aus den Wochenberichten der Sternwarte Bogenhausen, die damals erschienen sind und immer den Zeitraum einer Woche meteorologisch/magnetisch Revue passieren ließen. Initiiert war der Bericht vom Direktor der Sternwarte Johann von Lamont:


 

Von dem besagten Sturm wird hier nichts erwähnt.

Damit beschließe ich meinen Bericht.

 

Wolfgang Webersinke, August 2017

 

Witterungsbericht August 2017

 

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

Der dritte Sommermonat 2017 blieb dem Julimuster ähnlich: im Norden eher leicht zu kühl, nach Süden zu immer wärmer, dabei aber oft unbeständig.

In meinen beiden etwas näher betrachteten Regionen, dem Bayerischen Wald und rund um München war es deutlich zu warm bei überdurchschnittlicher Sonnenausbeute im Bayerwald und normalen Werten bei München und insgesamt öfter unterdurchschnittlichem Regen im Mittelgebirge und eher zu feuchteren Verhältnissen in Oberbayern.

Im Bayerwald war es eher zu trocken: Buchenau 74 mm (60 %), Glotzing 69 mm (57 %), stellenweise aber auch deutlich zu feucht: Waldkirchen 127 mm (114 %), Bischofsreut 136 mm (118 %), Eging-Rohrbachholz 136 mm (143 %) und Duschlberg 152 mm (121 %). Im Münchner Raum war es generell regenreicher als im 30-jährigen Mittel: Erdweg 133 mm (136 %), Neufahrn 141 mm (142 %), Altomünster 146 mm(155 %, dort am 15.8. 41,8 mm), Gilching 166 mm (148 %), Krailling 167 mm (144 %), Starnberg 184 mm (144 %), Obersöchering 198 mm (121 %, dort am 31. 40,3 mm) und Geretsried 210 mm (124 %). Andechs meldete am 1. 45,2 mm. Es gab aber auch wenige Stellen, wo es geringfügig zu trocken war: Oberschleißheim 99 mm (93 %), Neufinsing 103 mm (97 %) und Frauenneuharting 119 mm (98 %).

Der Sommer 2017 war in unseren Gegenden meist der drittwärmste der Messreihen, nach 2003 und 2015, in Daxstein steht 2017 sogar erst an fünfter Stelle (nach 2003 18,6, 2015 17,9, 1994 17,7 und 1992 17,6°C; 2017 17,5°C=+ 1,7 K).

Herausragend war das Sturmereignis am späten Abend des 18. August, als eine zunächst nicht so bedeutende Gewitterfront, aus Westen kommend, sich kurz vor Mitternacht über dem südlichen Landkreis Freyung-Grafenau und vor allem über dem Landkreis Passau zu einer Art Orkanwind steigerte und riesige Schäden in den Wäldern und an Häusern anrichtete. Tragischerweise wurde teilweise auch dieselbe Gegend getroffen, die im Vorjahr unter dem sintflutartigen Regen im Juli zu leiden gehabt hatte (um Waldkirchen). In Daxstein gab es lediglich einige Böen im Umkreis von Beaufort 7.

Folgende Windmessungen mit Spitzenböen stehen mir derzeit zur Verfügung:

 

Hörsching/Flh./OÖ        136 km/h

Fürstenzell                   135

Kollerschlag                  123 

Waldkirchen/MG           116

Bad Griesbach              115

Haidmühle                    102

Lalling                          69

 

Die Windgrafik von Kollerschlag (gleich gegenüber von Wegscheid in Oberösterreich) auf der Internetseite der ZAMG sieht so aus:


Werteverlauf der letzten 7 Tage

In größerer Auflösung sieht das so aus:

 

Das Dorf Kollerschlag liegt sehr frei den Winden ausgesetzt auf einer Kuppe. Auch die ehemalige Wetterstation Fürstenzell besticht durch eine allseits sehr freie Lage.

Ein Bild der Passauer Neuen Presse illustriert die entstandenen Schäden


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Die Niederschläge dieses Gewitters waren nicht so bedeutend, beispielsweise Waldkirchen/MG 29,3 mm, allerdings 26,3 mm in der Stunde vor Mitternacht. Aber Passau-Maierhof hatte doch 41,3 mm, was in kurzer Zeit zu Überflutungen führte. München/Stadt meldete ebenfalls in den 20 Minuten von 21.10 bis 21.30 Uhr 23,8 mm.

 

Abgesehen davon waren hauptsächlich Schäden durch heftige Gewitter mit Sturmböen oder Starkniederschlägen festzustellen. 

Am 5.8.                        Teisendorf-Babing          56,3 mm

Am 9.8.                        Weißenberg                  75,2 mm

                        Hähnichen-Trebus         70,4

Am 10.8.          Rathenow                     55,7

                        Borna                           52,2

Am 11.8.          Gernsbach-Kaltenbr.      76,8

                        Wetter                          67,1

                        Baden-Baden                59,9

Am 15.8.          Hohenthann                  53,0

                        Egling                          52,9

Am 25.8.          Kemnath                      57,5

                        Mistelgau                     51,6

Am 31.8. gab es Richtung Oberschwaben, Bodensee erneut eine Überregnung mit erheblichen Niederschlagsmengen:

Lindau/DWD                             97,3 mm

Lindau-Bad Schachen               93,8

Opfenbach                                91,8

Isny                                         85,6

Lindenberg                               84,7

Kisslegg                                   84,5

Kressbronn                               83,2

Leutkirch                                  81,0

Wangen                                   80,6

Argenbühl                                 76,7

 

Der Sommer 2017 war in der Schweiz der drittwärmste seit Messbeginn 1864, in Österreich ebenso, aber mit der Histalp-Reihe seit 1767. 

 

Abschließen möchte ich meinen Rückblick mit zwei Fotos, die am 24.8.2017 bei einer sechsstündigen Wanderung auf den Großen Rachel im Bayerwald entstanden sind (mit 1453 m nur 4 Meter niedriger als der Gr. Arber). Sie zeigen eine mir bis dato unbekannte Messstation südlich des Waldschmidthauses in 1360 m Höhe:


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Wolfgang Webersinke, Sept. 2017

 

Witterungsbericht September 2017

 

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

Witterungsbericht Oktober 2017

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Mit dem Herbstbeginn stellte sich – im Verbund mit dem Januar 2017 – zum zweiten Mal in diesem Jahr ein vorwiegend zu kühler Monat ein. Es waren aber keinerlei Temperatur-Exzesse zu verzeichnen. Oft war es zu feucht, die Sonne blieb unter der Norm.

Die Niederschlagsverteilung im Bayerwald war im Gegensatz dazu weit verbreitet defizitär:

 

Röhrnbach                    29 mm  (37 %)

Büchlberg-Tannöd         32        (43 %)

Metten                         34        (42 %)

Passau-Maierhof           37        (55 %)

Klingenbrunn                 38

Waldhäuser                  47

St. Englmar                  51

Wegscheid                   56        (60 %)

U.griesbach-Glotzing     74        (86 %)

Eging-Rohrbachholz      100       (130 %)

 

Eging war der einzige Ort mit einem Niederschlagsüberschuss. Von Röhrnbach zeige ich die Grafik, denn die Beobachtungen dort beginnen am 1.1.1899 und sind bis heute praktisch ununterbrochen (1945 vollständig!). Bis zum 22.2.1959, seinem Todestag, gab es nur einen einzigen Beobachter: Johann Fliegerbauer Eine Karte zeigt die Lage des Marktes:


 

 


1984 fielen 186 mm als absolutes Maximum, im Dürreseptember 1959 lediglich 3 mm. 

Im Raum München waren die Verhältnisse differenzierter: während  im Nordhalbraum zu geringe Niederschläge auftraten, wurde es nach Süden hin deutlich zu feucht. Die 100-mm-Linie lag am Südrand von München:

 

München-Harthof           50 mm  (62 %)

München/Theresienstr.  51

Oberschleißheim           51        (68 %)

Altomünster                  69        (96 %)

München-Giesing          79

Laufzorn                       100       (108 %)

Grünwald/Bavaria          102

Wasserburg/Inn             120       (125 %)

Holzkirchen                  133       (114 %)

Obersöchering              151       (134 %)

 

Interessant war der 24.9., als sich ab etwa 17 Uhr für zwei Stunden über dem südlichen Stadtgebiet eine kräftige Gewitterlinie entwickelte, die kräftigen Regen und ebensolche Donnerschläge hervorbrachte. Auf der Wiesn schlug der Blitz in ein Festzelt ein und die Budenstraßen waren kurzzeitig überflutet. Am Harthof (im Norden) an meiner Schule fielen gerade klägliche 0,1 mm, an der Theresienstraße (Met. Inst.) 0,8, in Giesing 3,2 und am Deutschen Museum 13,2 mm (davon 9,1 mm von 17 bis 18 Uhr).

Die Niederschlagskarte von „Kachelmannwetter“ sieht folgendermaßen aus.



Die Webcam in Freimann im Norden der Stadt schoss dieses Bild:


Zu Monatsanfang kam es an den Alpen zu einer bedeutenden Überregnung, die hohe Tageswerte am 2.9.2017 produzierte:

 

Obere Firstalm                          89,0 mm

Flintsbach                                80,5

Bischofwiesen-Winkl                 76,0

Ruhpolding-Seehaus                 75,3

Kufstein/TIR                              75,2

Kiefersfelden                             66,1

Golling/SBG                             60,7

 

In den drei Tagen vom 31.8. bis zum 2.9.2017 fielen in Vorarlberg zum Teil fast 200 mm:

Lustenau                                  196,7 mm

Körbersee                                189,6

Weiler                                      182,6

 

Am 13.9. machte das Orkantief Sebastian von sich reden mit folgenden Windspitzen:

 

Helgoland-Oberland SH             154 km/h
Brocken ST                              148 km/h
Borkum (MG) NI                        146 km/h
Helgoland-Südhafen SH             133 km/h
List/Sylt-Ellenbogen SH             133 km/h
Feldberg/Schwarzwald BW        130 km/h
St. Peter-Ording SH                  130 km/h

Selten wurden so früh in der Sturmsaison so hohe Windgeschwindigkeiten gemessen.

Am selben Tag führte es in den Gebieten Odenwald, Bergstraße, Oberrhein zu anhaltenden Starkniederschlägen:

Karlsruhe/Siemens                    65,0 mm

Karslruhe-Wolfartsweier 60,9

Schwarzach/Baden                   60,7

Grasellenbach                          60,3

 

Besonders in höheren Lagen der Alpen kam es schon häufig zu Schneefällen mit Schneebedeckung: Auf dem Weissfluhjoch (2540 m) gab es 15 Tage mit Neuschnee bei einer Neuschneesumme von 107 cm. Die Zugspitze hatte 30 Tage mit geschlossener Schneedecke, ein in den letzten Jahrzehnten seltenes Vorkommnis. Weitere Schneedeckenmeldungen aus Bayern habe ich nicht, die Schneemessung war noch im Sommerschlaf… Auf der Villacher Alpe (2140 m) in Kärnten registrierte man den schneereichsten September seit Beginn der dortigen Messungen 1925 mit 78 cm Neuschneesumme.

Über die Missachtung, die der DWD bei Bergstationen in den deutschen Alpen an den Tag legt, kann ich mich maßlos ärgern, es gibt schlichtweg außer der Zugspitze keine einzige mehr! Dafür konnte man in der Schweiz 200 Jahre Grand Saint Bernard feiern (2472 m):


 


Augenbeobachtungen werden dort selbstverständlich bis heute weitergeführt und penibel verzeichnet, an eine komplette Automatisierung wird kein Gedanke verschwendet. 

 

 


Um den Blick noch kurz auf Wetterphänomene von vor 150 Jahren zu lenken, bringe ich die Monatstabelle des September 1867 des St-Bernard in extenso:


Gut ersichtlich ist hier ein Temperaturrückgang ab dem 24.9.1867, der weiter östlich noch deutlich stärker wirksam wurde:

In München sank bei fast wolkenlosem Wetter das Minimum am 27. und 28.9.1867 auf jeweils – 2,0°C, der 27. hatte eine Mitteltemperatur von gerade einmal 3,1°C (der Hohenpeißenberg nur 1,4°C). Das sind für München keine Rekordwerte, gab es doch 10 Jahre später am 27.9.1877 – 3,9° und am 29.9.1877 – 3,1°C als Minimum. 

Auch in Kärnten war dieser Kälteeinbruch kräftig zu spüren, wie die damaligen Beobachtungen zeigen, sie beschließen meinen heutigen Bericht:


 

 

Wolfgang Webersinke, Oktober 2017

 

Witterungsbericht Oktober 2017

 

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

Witterungsbericht November 2017

 

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

Witterungsbericht Dezember 2017

 

für Deutschland, Österreich und die Schweiz

 

 

 

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